Während man am 19. Juli in den USA den nationalen Tag der Eiscreme gefeiert hat, zeigen neueste Marktforschungsergebnisse von Mintel eine Machtverschiebung: China hat sich 2014 erstmals vor den USA als weltweit größter Eiscreme-Markt positioniert.

Zwischen 2008 und 2014 hat sich der Gesamtmarktwert von Eiscreme-Umsätzen in China fast verdoppelt, mit einem Anstieg um 90 % auf spektakuläre 11,4 Mrd. Dollar. Das Wachstum des US-Marktes fiel mit 15 % (11,2 Mrd. Dollar) im gleichen Zeitraum deutlich geringer aus.

Die Zahlen sind beeindruckend: Ein Drittel aller 2014 verkauften Eiscreme-Produkte – 5,9 Mrd. Liter – entfielen auf China, gegenüber 5,8 Mrd. Liter in den USA. Für 2015 wird eine Fortsetzung dieser Entwicklung erwartet, mit prognostizierten 6,3 Mrd. Litern in China und 5,8 Mrd. Litern in den USA. Parallel wird auch beim Umsatz von einem Anstieg auf 12,6 Mrd. Dollar in China und 11,4 Mrd. Dollar in den USA für das Jahr 2015 ausgegangen.

Auch wenn der Umsatz bei Eiscreme in China weiterhin rasant ansteigt, verzehren US-Verbraucher deutlich mehr Eiscreme als in jedem anderen Land: 18,4 Liter pro Person im Jahr, gegenüber nur 4 Litern in China. Die Top fünf der Eiscreme-Märkte nach Volumen sind: China (5,9 Mrd. Liter), gefolgt von den USA (5,8 Mrd. Liter), Japan (784 Mio. Liter), Russland (668 Mio. Liter) und Deutschland (545 Mio. Liter). Britische Verbraucher verzehrten 2014 345 Mio. Liter Eiscreme, was durchschnittlich fünf Litern Eiscreme pro Person entspricht. Eine Menge, die im Vergleich mit den 18 Litern pro Person bei den Amerikanern und 10 Litern pro Person bei Australiern geradezu diätkompatibel erscheint.

Insgesamt erreichte der weltweite Umsatz mit Eiscreme im Jahr 2014 erstmals die 50-Milliarden-Dollar-Marke. Dies entspricht einem Anstieg um 9 % gegenüber 2011 (46 Mrd. Dollar).

Alex Beckett, Global Food Analyst bei Mintel, erklärt dazu:

„Steigende Einkommen und ein immer besserer Ausbau der Einzelhandels-Infrastruktur und des Kühlketten-Netzwerks treiben den chinesischen Eiscreme-Markt an. Dabei stellt das breite Angebot an lokal hergestellten, niedrigpreisigen Marken weltweite Eiscreme-Giganten auf der Suche nach Entwicklungschancen vor große Herausforderungen. China ist inzwischen hinsichtlich der Gesamtgröße die treibende Kraft am weltweiten Eiscreme-Markt, auch wenn beim Pro-Kopf-Verzehr die Amerikaner jedes Jahr klar vorne liegen. Das rasante Entwicklungstempo wirkt sich in Kombination mit der enormen Bevölkerungszahl immer stärker auf den chinesischen Eiscreme-Markt aus.

Allerdings spiegelt der weltweite Anstieg bei Eiscreme hauptsächlich die Expansion der Kategorie in Wachstumsregionen wider: In den entwickelten Märkten wie Europa und Nordamerika sind die Bedingungen am Eiscreme-Markt schwieriger geworden. Das Wachstum wurde durch ein steigendes Ernährungsbewusstsein bei Verbrauchern, Konkurrenz aus anderen Kategorien wie zum Beispiel Joghurt und die stete Herausforderung der Wetterabhängigkeit gedämpft. Vor dem Hintergrund der andauernden Verschiebung des weltweiten wirtschaftlichen Gravitationszentrums in Richtung Osten haben die großen Player im Eiscreme-Markt umso mehr Grund, ihre Präsenz – und Investitionen in die Entwicklung neuer Produkte – in den Wachstumsmärkten, insbesondere Asien, auszubauen“, so Beckett weiter.

EISCREME-HERSTELLER GEHEN MIT DER ENTWICKLUNG MAßGESCHNEIDERTER GESÜNDERER PRODUKTE AUF LOKALE MÄRKTE EIN

Es zeichnet sich ab, dass Eiscreme-Hersteller bei ihren Rezepturen mit der Auslobung „gesünder“ oder „besser für Dich“ auf das Problem der Übergewichtigkeit eingehen. Tatsächlich erreichten laut der Global New Products Database (GNPD) von Mintel Produkte mit Auslobungen zum niedrigen Allergen- oder Fettgehalt (Englisch auch kurz LNR – low/no/reduced bzw. gering/keine/reduziert) sowie glutenfreie Produkte 2014 einen Rekordanteil an den weltweiten Neueinführungen am Eiscreme-Markt. Der Anteil der Produkteinführungen mit solchen Auslobungen für weltweite Eiscreme-Neueinführungen wuchs in Bezug auf Allergene von 7 % im Jahr 2012 auf gesunde 15 % im Jahr 2014 und beim Fettgehalt im gleichen Zeitraum von 6 auf 8 %. Auch bei der Auslobung „glutenfrei“ war 2014 ein Anstieg zu verzeichnen, von 6 % der weltweiten Neueinführungen bei Eiscreme im Jahr 2012 auf 13 % im Jahr 2014. Die USA sind weltweit führend im Hinblick auf diese Werbeaussagen, mit 20 % aller weltweiten LNR-Auslobungen beim Fettgehalt, 18 % bei Allergenen und ebenfalls 18 % bei der Auslobung „glutenfrei“.

DIE FROZEN-YOGURT-REVOLUTION ERREICHT EUROPA

Neueste Marktforschungserkenntnisse von Mintel bestätigen, dass die Frozen-Yogurt-Revolution inzwischen auch Europa mit Wucht erreicht hat und einen Beitrag zum weltweiten Anstieg bei fettarmen Eiscreme-Innovationen leistet. Laut Mintel GNPD stand die Region 2013 für 41 % der Neuentwicklungen bei gefrorenem Joghurt, während es 2014 schon beeindruckende 54 % der weltweiten Neuentwicklungen waren. Es folgen Nordamerika mit 29 % und Asien-Pazifik mit 9 %.
„Nach dem riesigen Erfolg in den USA stößt der hohe Proteingehalt von gefrorenem griechischem Joghurt jetzt auch bei europäischen Verbrauchern auf Resonanz, obwohl durchaus auch das Bewusstsein für den oft hohen Zuckeranteil wächst“, fügt Beckett hinzu.

APPETIT AUF HANDWERKLICH HERGESTELLTES EIS WÄCHST

Weltweit werden Individualität und der Anspruch „Qualität statt Quantität“ bei Eiscreme immer mehr geschätzt. So sind in den USA zum Beispiel 61 % der Verbraucher, die gefrorene Süßspeisen verzehren, bereit, mehr Geld für höherwertige Produkte auszugeben. 60 % der Verbraucher, die täglich solche Produkte verzehren, schätzen lokale Marken gegenüber nationalen Marken als höherwertig ein. In ganz Europa gibt es ein starkes Interesse am Kauf von Eiscreme mit regionalen Zutaten. 2014 gaben fast vier von zehn Verbrauchern von Eiscreme und Joghurt in Italien (39 %), Frankreich (38 %) und Polen (38 %) an, dass sie am Kauf von Eiscreme mit Zutaten aus lokaler Herstellung interessiert wären. Es folgten die Verbraucher in Deutschland (33 %) und Spanien (28 %). Darüber hinaus gaben 39 % der britischen Verbraucher an, dass sie Eiscreme, die mit „authentischen“ Herstellungsverfahren produziert wird – z. B. handgemacht oder langsam gerührt – attraktiv finden. Bei den über 65-Jährigen steigt dieser Anteil sogar auf 51 %.

„Handwerklich hergestellte und als ,hausgemacht‘ und authentisch präsentierte Eiscreme ist gut positioniert, um dem allgemeinen Verbraucherinteresse an traditionell hergestellten Lebensmitteln und Getränken entgegenzukommen. Vor diesem Hintergrund ist ,Craft‘ in den letzten Jahren zum Trendwort geworden. Von Alkohol bis hin zu Pastasauce, Pizza und Limonade: Auf zahlreichen Verpackungen werden Handwerkskunst oder Geschichten zur Herkunft gepriesen, um die Marke von der Konkurrenz abzugrenzen“, so Beckett abschließend.

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Hinweis für die Redaktion

Auf Anfrage stellt das Pressebüro gerne Rezensionsexemplare zur Eiscreme-Studie bereit oder ermöglicht Interviews mit Alex Beckett, Global Food Analyst bei Mintel.

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