Nach der Neuigkeit, dass Foster’s als großer Bierhersteller mit der Erweiterung seiner Marke Foster’s Rocks mit Rumgeschmack im Vereinigten Königreich zuletzt ein „Spier“ (Mischgetränk auf Bier und Spirituosen – Spirituosenbier) auf den Markt gebracht hat, beschreibt Global Drinks Analyst bei Mintel, Jonny Forsyth, wie dieser Innovationsbereich für Großbrauereien immer wichtiger geworden ist…

Die Geburt der Spirituosenbiere

Foster’s gehört zu Heineken, dem drittgrößten Bierbrauer der Welt, der mit seiner Einführung von Desperados in Frankreich im Jahr 1995 ein Vorreiter im Bereich der Spirituosenbiere war. Damals war das Produkt noch seiner Zeit voraus. In den vergangenen Jahren hat Desperados jedoch nicht nur in Frankreich große Erfolge erzielt, sondern auch im Vereinigten Königreich und in weiten Teilen Europas. Das Bier wurde sogar zu einer der globalen Prioritätsmarken von Heineken.
Im vergangenen Jahr versuchte AB InBev (ABI) für sich auch ein Stück dieses immer größer werdenden Kuchens zu sichern und brachte ein Bier mit Rumgeschmack unter dem Namen Cubanisto auf den Markt; zunächst geschah dies im Vereinigten Königreich sowie in Frankreich. Dies war der erste Vorstoß von ABI in das Spirituosenbier-Segment in Europa. In den USA war der Hersteller jedoch bereits für die Einführung und den phänomenalen Erfolg des Sortiments „a-Rita“ mit Cocktail-Geschmack verantwortlich.

Ein Schritt in Richtung einfacheres Trinken

Desperados und Cubanisto haben viele Gemeinsamkeiten. Beide haben einen Alkoholgehalt von 5,9 %, was für moderne Biere auf dem europäischen Massenmarkt sehr hoch ist. Dieser höhere Alkoholgehalt, der Einsatz von Rum und Tequila – zweier lateinamerikanischer Party-Spirituosen – sowie die Tatsache, dass sie in Glasflaschen mit einem Volumen von 330 ml verkauft werden, sind Faktoren, die darauf hindeuten, dass sie eher für den Verzehr „auf die Schnelle“ gedacht sind. Foster’s Rocks ist da etwas anders. Zweifellos in der Absicht, mit Desperados im Vereinigten Königreich nicht in einen Kannibalisierungsprozess zu treten, bietet Heineken Foster’s in Dosen mit 440 ml Volumen und mit einem viel „gemütlicheren“ Alkoholgehalt von 4,5 % an. Anders ausgedrückt stellt dieses Getränk die nächste Stufe der Spirituosenbier-Revolution dar: ein Schritt in Richtung einfacheres Trinken.

Spirituosenbiere und junge Verbraucher

Sowohl Desperados als auch Cubanisto werben mit dem Umstand, dass sie eher einen Spirituosengeschmack aufweisen, als tatsächlich Spirituosen in Form von Alkohol zu enthalten. In der Tat schmeckt Desperados zum Glück kaum wie echter Tequila, doch „Tequila“ ist eine viel coolere und originellere Art, das Geschmacksprofil von Bier zu verfeinern. Wenn auch zum Beispiel im Vereinigten Königreich die Vorurteile gegenüber jungen Männern, die Biere mit Fruchtgeschmack trinken, etwas abgenommen haben, bietet Bier mit Tequila-Geschmack viel mehr Anerkennung als ein Radler, auch wenn der Geschmacksunterschied nur geringfügig ist.

Mintels Untersuchung zeigt, dass die Zielgruppe von Cubanisto, Biertrinker im Vereinigten Königreich zwischen 18 und 24 Jahren, sich stark nach solchen Produkten verlangt. Solche Verbraucher mögen aromatisiertes Bier und sind gleichzeitig große Fans von Spirituosen; 46 % der Briten im Alter zwischen 18 und 24 Jahren stimmen zu, dass Spirituosenbier auf sie ansprechend wirkt – bei Erwachsenen beträgt diese Zahl 26 %. Sie tendieren ebenfalls dazu, Spirituosen in Nachtklubs und Nachtbars zu trinken – für Biere stellt dies die Gelegenheit dar, in den Bereich des „Trinkens auf die Schnelle“ besser vorzudringen. Spirituosenbiere sprechen nicht nur jüngere Männer an: Sie können sich auch subtil als frauenfreundlichere Getränke positionieren, ohne allzu herablassend zu wirken oder männliche Trinker abzuschrecken.

Betrachtet man die Lage außerhalb des Vereinigten Königreichs, bedeutet die längere Erfahrung der Franzosen mit Spirituosenbieren, dass die dortigen Biertrinker zwischen 18-24 Jahren die größten Fans des Konzepts der Spirituosenbiere in Europa sind: 69 % von ihnen geben an, dass Spirituosenbier ihnen zusagt. Mintels Untersuchung zeigt jedoch auch, dass die Beliebtheit unter jüngeren Trinkern in ganz Europa weitverbreitet ist. Zum Beispiel stimmen 54 % der Deutschen zwischen 18-24 Jahren dieser Aussage zu, wie 43 % der Italiener zwischen 18-24 Jahren, 53 % der Spanier zwischen 18-24 Jahren und 65 % der Polen zwischen 18-24 Jahren.

Spirituosenbiere auf dem Biermarkt… die Zukunft?

Da die großen Brauereien durch den sprunghaften Anstieg von Craft-Bieren zusehends unter Druck geraten, kann Spirituosenbier ihnen eine sehr gute Strategie bieten, um zu wachsen. Dieses Segment wird derzeit weniger von Nischen-Handwerkskunst und mehr von Exotismus und anspruchsvollen Investitionen in das Marketing vorangetrieben – etwas, worin große Brauereien meisterhaft sind und das sie einsetzen, um das Wachstum von „Weltbieren“ wie Peroni und Tiger voranzutreiben.
Die Masse der Verbraucher wünscht weniger Standardbiere und mehr einzigartige, aromatische und exotische Marken – jedoch nicht notwendigerweise von Mikrobrauereien, die Craft-Biere brauen.

Jonny Forsyth, Global Drinks Analyst bei Mintel, war zuvor für die Recherche und das Verfassen sämtlicher Getränkeberichte für das Vereinigte Königreich von Mintel verantwortlich. Er verfügt über 10 Jahre Erfahrung im Marketing, mit Positionen bei Starcom Mediavest, AB-Inbev und Trinity Mirror. Er erscheint regelmäßig in weltweiten und landesweiten Medien, zum Beispiel BBC, CNBC und Bloomberg.

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