Anlässlich des diesjährigen Weltfrauentags am 8. März haben Analystinnen bei Mintel besondere Frauen ausgewählt, die prägend für die nächste Dekade stehen und in ihrer jeweiligen Branche großen Einfluss ausüben werden.

Asma Khan – Indisch-britische Chefköchin, Gastronomin und Kochbuchautorin

Ayisha Koyenikan – Global Food & Drink Analyst, UK

Asma Khan ist die erste britische Chefköchin, die seit 2019 regelmäßig in der Netflix-Serie „Chef’s Table“ auftritt und dort auf den Sexismus in der Gastronomiebranche aufmerksam macht. Ihre Karriere begann im Jahr 2012 mit einer Reihe von „Supper Clubs“, einer Art Kochveranstaltung für Fremde, die sie 2017 dazu bewegte, ihr eigenes und mittlerweile berühmtes Restaurant Darjeeling Express im Londoner Soho zu eröffnen. Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass Khan es dadurch bereits zum Erfolg geschafft hat.

Es ist jedoch ihr aktuelles Schaffen, das – gespeist von ihrer Erfahrung als Chefköchin eines rein weiblichen Teams – sie zu einer Vordenkerin der nächste Dekade macht. Das Gastgewerbe stand in letzter Zeit wegen zahlreicher Diskriminierungsfälle und Berichte über sexuelles Fehlverhalten am Arbeitsplatz im Rampenlicht. Es ist Khans Engagement für Frauen, das frischen Wind in die Branche bringt.

Asma Khan

Quelle: Aboutother.com

Die gebürtig aus Kalkutta stammende Khan kam 1991 mit ihrem Ehemann nach Großbritannien und erlernte die Kochkunst erst dort von ihrer Tante in Cambridge. Im Jahre 2012 startete sie verschiedene Supper Clubs, wozu sie mehrere Amateurköchinnen anheuerte – die meisten von ihnen waren damals Immigrantinnen mit keinerlei Küchenerfahrung.

Ihr komplett weibliches Team stellte sie in ihrem eigenen Restaurant ein und bildete die Frauen von Hobby- zu Chefköchinnen aus. Im heutigen Zeitalter, in dem Female Empowerment groß geschrieben wird, bin ich darauf gespannt, wie Asma Khan das Gastrogewerbe dazu nutzt, um Frauen weltweit Unterstützung zu leisten. In einem jesidischen Flüchtlingscamp im Iran hat sie beispielsweise ein Café eröffnet, in dem nur Frauen arbeiten – ihr Ziel ist es, ihre Erfahrungen und Kompetenzen an Frauen in Konfliktgebieten und in ungleichen Gesellschaften weiterzugeben, um sie zu empowern. Auch in Zukunft hofft sie, Frauen in der Gastronomiebranche unterstützen zu können.

 

Olivia Kim – Vice President und Kreativchefin bei Nordstrom

Alexis DeSalva – Senior Research Analyst, Retail and ecommerce, USA

Sofern Sie nicht in der Modeindustrie arbeiten, haben Sie den Namen Olivia Kim wahrscheinlich noch nicht zwingend auf dem Schirm – das wird sich in der nächsten Dekade jedoch ganz sicher ändern. Bevor Kim Vice President und Kreativchefin bei der amerikanischen Kaufhauskette Nordstrom wurde, war sie beim Einzelhändler Open Ceremony dafür verantwortlich, ausgefallene neue Designer zu entdecken und zu vermarkten.

Ihre Hauptaufgabe bei Nordstrom besteht darin, das Verkaufserlebnis zu revolutionieren und an die Bedürfnisse der heutigen Käufer anzupassen. Mit ihrem eigens ausgesuchten Sortiment „Pop-in @Nordstrom” richtet sie sich an Kunden, die auf der Suche nach einzigartigen Kleidungsstücken von noch unbekannten Designern sind – damit sie anderen immer einen Schritt voraus sind. Zu ihrer kuratierten Angebotspalette gehören neben jungen Marken wie Jacquemus und Everlane auch koreanische Kosmetikprodukte.

Kim, die von der amerikanischen Vogue aufgrund ihres progressiven Stils und Ideenreichtums auch gerne als „Rockstar“ bezeichnet wird, weiß was die Verbraucher von morgen wollen. So etablierte sie die Second-Hand-Initiative „See You Tomorrow“, die es Kunden erlaubt, kaum getragene Designer-Kleidung wieder an das Nordstrom-Geschäft am New Yorker Broadway zu verkaufen.

Nordstrom x Opening Ceremony: DINNER

Quelle: Daily Front Row

Ihr Gespür für Mode und Trends ist es, das sie von anderen unterscheidet und sie einzigartig macht. Denn obwohl ihr Stil als abenteuervoll gilt, ist er vielen doch stets zugänglich und bringt frischen Wind in den amerikanischen Einzelhandel, der sich nur recht müßig zu verändern scheint. So interpretiert sie High-Fashion-Konzepte für den amerikanischen Verbraucher, ohne dabei an Coolness einzubüßen.

Durch ihren jetzigen Erfolg bei einem der ältesten Einzelhändler in den Vereinigten Staaten könnte ich mir durchaus vorstellen, dass sie in Zukunft einen C-Suite-Posten bekleiden wird. In den nächsten zehn Jahren werden sich nämlich die beiden Nordstrom-Brüder, die sowohl als CEO und Vorstandsvorsitzende fungieren, zur Ruhe setzen. Denkbar wäre, dass sie zumindest die Verantwortung des Merchandising-Teams in die Hände einer Person übergeben, die bereits das Können bewiesen hat, in der sich ständig weiterentwickelnden Welt der Mode relevant zu bleiben. Wer wäre dafür besser geeignet als Kim?

Dr. Barbara Sturm – Ärztin für ästhetische Schönheitsmedizin und Gründerin der Marke Dr. Barbara Sturm Molecular Cosmetics

Bettina Selig – Research Director, Deutschland

Nachdem J- und K-Beauty in der vergangenen Dekade die Welt quasi im Sturm erobert hatten,  war es spannend zu beobachten, wie auch G-Beauty seit dem letzten Jahr an Popularität gewonnen hat. G-Beauty, das sind deutsche Hautpflegemarken, die mit natürlichen und wissenschaftlich fundierten Rezepturen werben. Die Produkte gelten als nicht toxisch und sind aufgrund ihrer entzündungshemmenden Eigenschaften meist auf die Bedürfnisse sensibler Haut abgestimmt.

Innovationsführerin in diesem Bereich ist die deutsche Dermatologin Dr. Barbara Sturm, die durch ihre Behandlungskonzepte und ihrer gleichnamigen Hautpflegereihe Weltbekanntheit erlangte. Kim Kardashian’s „Vampire Facial“ im Jahre 2013 war es, die den Namen Sturm weltweit ins Rampenlicht rückte. Sturm kann am besten als Macherin beschrieben werden – einen Business Plan hat sie beispielsweise nie geschrieben. Ihr Erfolg beruht auf ihrer Fähigkeit, auf die Bedürfnisse ihrer Kunden zu hören und darauf basierend effektive Konzepte zu entwickeln. Ihre speziell auf dunkle Haut vom Typ V und VI abgestimmte Anti-Aging-Serie „Darker Skin Tones“ entwickelte sie beispielsweise zusammen mit Schauspielerin Angela Bassett und ist die erste Clean-Beauty-Reihe, die sich an Women of Colour richtet. Während die meisten deutschen Hersteller und Marken sich noch etwas schwer daran tun, auf die sich verändernde Demographie zu reagieren und eher dazu tendieren, weibliche Millennials anzusprechen, ist Barbara Sturm schon einen Schritt voraus. So umfasst ihre Pflegepalette auch Hautprodukte für Ältere, Männer und People of Colour.

Quelle: @kimkardashian

 

Ihr lockerer und positiver Charme ist es, der sie zur perfekten Botschafterin ihrer eigenen Marke macht. Dank dieser Qualitäten sowie des häufig benutzten Hashtags #sturmglow konnte sie ihr Netzwerk ausweiten – neben Stars und Sternchen lassen sich auch Influencer und einflussreiche Unternehmer*innen bei ihr behandeln. Neben der Vermarktung ihrer eigenen Produkte nutzt sie ihr Instagram-Profil dazu, über gesunde Lebensweisen und Hautgesundheit zu informieren. Auf Social Media können sich deutsche Wettbewerber in Sachen Transparenz und Spontanität daher viel von Sturm abschauen.

Dr Strum

Quelle: @drbarbarasturm

Ihre medizinische Expertise gepaart mit ihrer charismatischen Persönlichkeit und unternehmerischen Entschlossenheit machen sie zu einer einzigartigen Vorreiterin, und ich kann mir gut vorstellen, dass Barbara Sturm die Branche in den kommenden Jahren weiter aufrütteln wird – wodurch die gesamte G-Beauty-Branche weiter Aufwind erfahren dürfte.

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