In den letzten Jahren hat das Thema Nachhaltigkeit einen neuen Stellenwert erhalten – sei es aufseiten der Verbraucher, der Wirtschaft oder der Politik. Diese Entwicklung hat auch vor dem Technologie-Sektor keinen Halt gemacht. So drängt die EU auf strengere Umweltrichtlinien für Smartphone-Hersteller, und auch Verbraucher sind sich der Umweltauswirkungen von Smartphones und Elektrogeräten immer stärker bewusst. In Deutschland finden etwa knapp sieben von zehn Verbrauchern, dass Tech-Marken mehr grüne Produkte entwickeln sollte. 

Handys sind längst nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Aus diesem Grund ist hier besonders wichtig, dem Bedürfnis nach grüner Technologie nachzugehen, um in diesem hart umkämpften Markt weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. 

Produktionspraktiken nachhaltiger gestalten

Einer Studie von Mintel zufolge würden circa zwei von fünf Smartphone-Besitzern vor dem Kauf eines neuen Geräts in Betracht ziehen, wie umweltfreundlich der Hersteller ist. Große Unternehmen haben sich den Produktionspraktiken bereits angenommen und versuchen, diese z. B. mithilfe erneuerbarer Energien und ressourcenschonender Verfahren nachhaltiger zu gestalten. In den Vereinigten Staaten, China und auch in Europa ist Samsung zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umgestiegen. Indessen hat Apple öffentlich versprochen, bis 2030 klimaneutral werden zu wollen. Dies will der Tech-Riese durch kohlenstoffarme Produktdesigns und dem Einsatz recycelter Materialien, energieeffizienten Produktionsverfahren mit grünem Strom sowie Investments in Umweltprojekte erreichen. 

Solche Bemühungen zeugen von der Bereitschaft von Herstellern und Marken, den Weg in die richtige Richtung einschlagen und sich für das Wohl unseres Planeten einsetzen zu wollen – ein Gelöbnis, das bei allen Altersgruppen gut ankommen dürfte, nicht nur bei den Jüngeren. Die Positionierung als grüne Tech-Unternehmen, die nachvollziehbare Vorteile für das Klima und die Umwelt bieten, kann sich positiv auf die Kundenansprache und –bindung auswirken. Obwohl eine nachhaltige Produktion längst ein Muss ist, sollte auch die Verlängerung der Lebens- und Nutzungsdauer von Smartphones stärker in den Fokus der Nachhaltigkeitsstrategien rücken. 

Smartphones längeres Leben schenken

Da die Lebensdauer eines Smartphones oft an die Lebensdauer des Akkus geknüpft ist, ist eine lange Akkulaufzeit das von deutschen Konsumenten am meisten priorisierte Smartphone-Feature.

Die Hälfte derjenigen, die sich in den nächsten zwei Jahren ein neues Smartphone kaufen möchten, erachtet eine lange Akkulaufzeit als eine der wichtigsten Funktionen beim Kauf eines Neugeräts. Dabei handelt es sich entsprechend auch um das Feature, mit dem die meisten am unzufriedensten sind. In Deutschland konnten wir eine interessante Initiative von Samsung und Deutsche Telekom beobachten. Im Rahmen einer strategischen Zusammenarbeit arbeiten beide Unternehmen an einem nachhaltigen 5G-Smartphone, das Ende 2022 auf den Markt gebracht werden soll. Das Telefon soll leicht zu reparieren sein und einen herausnehmbaren Akku besitzen.

Damit könnte Verbrauchern die Möglichkeit geboten werden, die Lebensdauer ihres Gerätes auf bequeme und kostengünstige Weise zu verlängern. Indem sie den Akku selbst austauschen können, ohne ihr Gerät abgeben oder einschicken zu müssen, wird es für viele eine attraktivere Option, die Lebensdauer eines Smartphones zu verlängern, anstatt ein neues zu kaufen. Da so gleichzeitig dem wachsenden Umweltbewusstsein als auch der Priorisierung der Akkulaufzeit Rechnung getragen wird, dürfte dieses Smartphone wahrscheinlich gut von den Verbrauchern angenommen werden. 

Trade-ins attraktiver gestalten 

Das Recycling von Geräten ist unbestreitbar der größte Stützpfeiler im Bereich der umweltfreundlichen Verbrauchertechnologie. Um eines Tages vollständig  auf recyceltes Material zurückgreifen zu können, müssen Tech-Hersteller stärker in die zirkuläre Wirtschaft und in den Trade-in, also den An- und Verkauf von Gebrauchtware, eintreten. Apple investiert hierfür in Roboter , die gebrauchte iPhones zerlegen und so genutzte Materialien wie seltene Erden entnehmen, um diese in Neugeräten wiederzuverwenden. Jedoch hat bisher nur ein knapp ein Fünftel der Deutschen, die mindestens im Besitz eines zweiten Smartphones sind, den Ankauf ihres Altgeräts beim Erwerb eines neuen Telefons genutzt. Wahrscheinlich auch, weil sich der Handy-Ankauf meist nur für höherpreisige bzw. aktuellere Modelle preislich auszahlt. Obwohl es für das Recycling von Altgeräten mehrere Möglichkeiten gibt, wie z. B. über die öffentliche Abfallentsorgung, sollten Marken und Hersteller im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategien die Trade-ins für Verbraucher attraktiver gestalten. 

Geschehen könnte dies durch diverse Anreize zum Eintauschen von alten Smartphones – und damit auch für diejenigen, die sich nicht mehr zu attraktiven Preisen verkaufen lassen. Stattdessen könnten Hersteller und Marken mit Zugang zu exklusivem Merch oder besonderen Accessoires locken. Denkbar wäre ebenfalls, den Verbrauchern die Möglichkeit zu geben, ihre umweltbewusste Tat mit der Öffentlichkeit zu teilen. Das könnte mit z. B.  mit Social-Media-Filtern geschehen, die sich beim Eintauschen  eines Altgeräts freischalten lassen.  

Unser Fazit 

Eigentlich eine gute Nachricht: Drei von fünf Verbraucher bleiben ihrer Smartphone-Marken treu. Diese Loyalität droht jedoch zu schwinden, wenn die Marken es nicht schaffen, sich in puncto Nachhaltigkeit zu beweisen. Smartphone-Marken müssen ihre bestehenden Umweltstrategien weiter ausbauen, ihre Kreislaufwirtschaft stärken und umweltfreundlichere Geräte anbieten – was sich wiederum durch Loyalität deutscher Verbraucher auszahlen wird.

 

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