OLIO ist ein britisches Tech-Start-up, das 2015 mit dem Ziel gegründet wurde, Lebensmittelabfälle in Privathaushalten zu verringern und Menschen per App die Möglichkeit zu geben, ihr überschüssiges Essen mit der Nachbarschaft und in der näheren Umgebung zu teilen. Tief beeindruckt von der Mission des Unternehmens kürte erst neulich ein Waitrose-Panel aus renommierten Chefköchen, Food-Redakteuren und Branchenexperten OLIOs Gründerinnen Tessa Clarke und Saasha Celestial-One zu den zwanzig einflussreichsten Wegbereitern, die „die Welt in 2020 zu einem besseren Ort zum Essen und Leben machen werden“. Mintels Global Food & Drink Analystin Katya Witham sprach mit Tessa in einem exklusiven Interview über OLIOs Erfolg und Herausforderungen. Und natürlich darüber, was Hersteller und Marken tun können, um Lebensmittelabfälle zu verringern.

Was kann die Lebensmittel- und Getränkeindustrie inklusive Hersteller und Einzelhändler dafür tun, um Verbrauchern zu vermitteln, welche Auswirkungen Lebensmittelabfälle haben?

Einzelhändler und Marken haben einen einzigartigen Zugang  zum Markt. Meiner Meinung nach können Verpackungen ein wichtiger Kommunikationskanal sein. Nehmen wir z. B. einen Sack Äpfel: Keiner weiß so wirklich, wie viel Wasser für die Herstellung dieser Menge verbraucht wird. Ich bin mir sicher, dass viele Menschen geschockt wären, wenn sie die genaue Literzahl wüssten. Wieso also nicht auf der Verpackung darüber Aufklärung schaffen? Weiteres Potenzial sehe ich aufseiten der Einzelhändler, die ihre Verkaufsflächen dafür nutzen könnten, mehr Bewusstsein für Lebensmittelabfälle zu schaffen. Konkret könnte ich mir das beispielsweise durch entsprechende Regalbeschilderungen oder Werbebildschirme im Markt vorstellen.

 

TC kitchen - credit Annabel Staff

OLIOs Mitgründerin Tessa Clarke

 

Gibt es weitere Branchen oder Gruppen, die von der wachsenden Popularität der Sharing Economy profitieren könnten? Abgesehen von der Lebensmittelbranche haben wir solche Geschäftsmodelle basierend auf der gemeinsamen Nutzung diverser Objekte nun auch vermehrt in der Modeindustrie beobachten können. Wer sind Ihrer Meinung nach die Profiteure der Sharing Economy?

Die britische Regierung ist einer der mehr oder wenigen offensichtlichen Profiteure eines Food-Sharing-Angebots. Einem Bericht der britischen Recycling-Charity WRAP zufolge geben die Kommunalbehörden in Großbritannien etwa eine Milliarde Pfund (umgerechnet etwa 1,17 Milliarden Euro) für die Müllabholung von Privathaushalten aus. Das ist eine Menge Geld, die besser investiert werden könnte, z. B. in Schulen und Krankenhäusern. Daher denke ich, dass es zugunsten der Gemeinden und unserer selbst ist, wenn wir es schaffen, mehr Menschen zum Food-Sharing zu bewegen. Die Sharing Economy kann natürlich überall erfolgreich sein, nicht nur in der Lebensmittelbranche. Ich kenne keinen, der nicht eine Schublade oder ein Regal voller unbenutzter Hygieneartikel zu Hause hat. Denken Sie nur an das Shampoo, das Sie nicht  vertragen haben – aber was machen Sie mit dem Rest? Unsere User teilen neben Lebensmitteln auch Hygiene- und Putzartikel, Glühbirnen, Kinderkleider und viele weitere Dinge auf der App. Ich schätze, dass das gemeinsame Teilen und Second-Hand in Zukunft noch wichtiger werden, weil wir als globale Gesellschaft schlichtweg nicht mehr so weiter machen können wie zuvor. Unsere Ressourcen sind erschöpfbar, das heißt, dass wir sie nicht mehr einfach auf einer Mülldeponie abladen können. Die Sharing Economy kann eine entscheidende Rolle dabei spielen, der Menschheit zu einer nachhaltigen Lebensweise zu verhelfen.

Blicken wir in die Zukunft: Welche Aspekte sind für Sie in den nächsten 5-10 Jahren besonders interessant und wichtig?

Die Festtagszeit ist für mich jedes Jahr aufs Neue spannend, weil es dabei um eine Periode der Ausschweifung handelt. Einem weiteren WRAP-Bericht zufolge werfen britische Haushalte in dieser Zeit Lebensmittel im Wert von 1,2 Milliarden Pfund weg, das eigentlich noch hätte gegessen werden können. Im Januar folgt wieder jeder seinem eigentlichen Rhythmus, steigt auf Diäten um und wirft weiteres Essen weg. Dieser Zyklus zwischen Festmahlzeiten und Diäten schafft viele Abfälle – genau aus diesem Grund ist diese Periode für uns aufregend. Auf lange Sicht ist unsere Mission offenkundig mutig: In den nächsten 10 Jahren wollen wir über eine Milliarde Menschen dazu bewegen, ihre Sachen über OLIO zu teilen. Bis jetzt sind wir allerdings nur auf Großbritannien fokussiert, wo uns 80 Prozent unserer User verwenden.

Was sind die größten Herausforderungen für OLIO?

Die größte Herausforderung besteht für uns darin, mehr Menschen dazu zu bewegen, Sachen auf der OLIO-App zu listen. Es mangelt sicherlich nicht an Leuten, die bereit sind, kostenlose Lebensmittel oder andere Artikel bei ihren Nachbarn abzuholen. Wir müssen sie nur davon überzeugen, dass unsere App wirklich funktioniert und die Nachfrage nach einer solchen Plattform sowohl bei Nehmern als auch bei Gebern besteht. Dafür braucht es allerdings auch einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel hin zu einer größeren Wertschätzung für die wertvollen Ressourcen unserer Erde, die leider nicht unerschöpflich sind.

Lesen Sie Katya Withams Report „In Focus: Zero Food Waste“ auf der Mintel-Plattform, um herauszufinden, wie Hersteller und Marken Lebensmittelabfälle verringern möchten. Falls Sie mehr über den Report erfahren möchten, kontaktieren Sie bitte Ihren Account Manager oder schreiben Sie Fr. Witham per E-Mail.

 

 

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