Auf der Anuga nächsten Monat wird Katya Witham, Global Food and Drink Analystin bei Mintel, ihre neuesten Forschungsergebnisse über den europäischen Bio-Konsumenten vorstellen. Dieser Artikel ist bereits in der BioPress erschienen und liefert Ihnen einen kleinen Vorgeschmack auf das, was Sie in dem Vortrag erwartet. 

Kein Zweifel, der europäische Biomarkt boomt: Waren laut der Mintel Global New Products Database (GNPD) vor fünf Jahren gerade einmal 11 Prozent aller in Europa neu eingeführten Lebensmittel und Getränke als „Bio“ ausgezeichnet, lag dieser Anteil zwischen Juni 2018 und Mai 2019 bei 17 Prozent – ein Beleg dafür, dass Hersteller ihre Innovationskraft in diesem Bereich weiter ausbauen. 

Das Verbraucherinteresse besteht durchaus. Mintel-Forschungsergebnisse zeigen, dass im Durchschnitt drei Viertel der Verbraucher in fünf europäischen Märkten Bio-Lebensmittel und -Getränke kaufen, wobei ein Drittel der Befragten angibt, dies einmal pro Woche oder sogar öfter zu tun.

Eines der wichtigsten Verkaufsargumente für Bioprodukte sind die „Clean Label“-Angaben, da Konsumenten heute zunehmend Lebensmittel meiden, die künstliche oder chemisch klingende Stoffe enthalten könnten. Der Bio-Erfolg baut darauf auf, dass die entsprechend ausgezeichneten Lebensmittel meist als gesündere und nachhaltigere Wahl angesehen werden und daher von einem gesundheitlichen Halo-Effekt profitieren. Vertrauen, Transparenz und Rückverfolgbarkeit sind immer bedeutungsvoller werdende Faktoren bei der Kaufentscheidung, weshalb die Bio-Zertifizierung zusätzliche Vergewisserung über die Herstellung und den Ursprung der Nahrungsmittel bietet.

Doch auch wenn nachhaltige und ethische Aspekte bei den Verbrauchern weiterhin hoch im Kurs stehen, entsteht gleichzeitig eine neue Art von Produkten, bei denen die Bio-Auslobung nicht immer die wichtigste Werbebotschaft ist. Diese Waren sind insbesondere auf Millennials und die sogenannte Generation Z ausgerichtet, deren Erwartungen an Hersteller in Bezug auf Nachhaltigkeit, Integrität und soziales Engagement zunehmenden Druck auf Lebensmittel- und Getränkehersteller ausüben. Um den immer komplexeren Anforderungen jüngerer Verbraucher gerecht zu werden und die Attraktivität für diese Altersgruppen zu steigern, versuchen einige Bio-Produzenten, sich unter Anbetracht aller relevanten Faktoren neu zu erfinden. So werden etwa ökologische Aspekte zunehmend in breitere gesundheitliche und ethische Positionierungen integriert, da die Bio-Industrie versucht, die zunehmend höheren und vielfältigeren Ansprüche der Konsumenten zu erfüllen.

Vegan, vegetarisch, glutenfrei, allergenreduziert – all das sind beliebte Auslobungen, auf die Bio-Hersteller derzeit setzen. Zwar machen Produkte mit ethischen Verweisen wie z.B. Tierwohl noch einen kleinen Teil der europäischen Produkteinführungen aus, es ist allerdings zu erwarten, dass diese in Zukunft noch wichtiger werden.  Ein weiter Aspekt, der in diesem Kontext zunehmend Gewicht erhält, sind umweltfreundliche und nachhaltige Verpackungen.  

Unser Fazit

Da Bioprodukte zunehmend auf dem Prüfstand stehen, sollten Hersteller in Bezug auf Inhaltsstoffe und Produktion auf mehr Transparenz setzen, um das Vertrauen der Käufer zu stärken. Obwohl das Thema gesunde Ernährung nach wie vor eine wichtige Rolle beim Bio-Einkauf spielt, wird heute auch Sinnhaftigkeit von Marken erwartet, wobei dieses Unterscheidungsmerkmal in Zukunft wohl einige Herausforderungen parat halten wird. Durch den Anstieg des ethischen Konsums, insbesondere bei jüngeren Verbrauchern, müssen Bio-Hersteller bereit sein, den Dialog mit dieser Verbrauchergruppe zu führen, sich an die Grundprinzipien des Bio-Ethos zu halten und ihre Markenversprechen dahingehend tatsächlich zu erfüllen. 

Dies ist eine gekürzte Fassung des am 13.09.2019 erschienen Artikels in der Biopress. Das Original ist hier abrufbar.

Besuchen Sie Katya Withams Präsentation auf der Anuga am 07. Oktober, um mehr über den europäischen Bio-Konsumenten zu erfahren. Weitere Details zum Event finden Sie hier.

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