Wie in allen europäischen Ländern, die versuchen, die Verbreitung von COVID-19 durch soziale Distanzierungsmaßnahmen zu verlangsamen, führt die Schließung von Lokalen wie Bars und Restaurants zu einem erheblichen Rückgang des Alkoholverkaufs. Getrunken werden Spirituosen allerdings immer noch: Verbraucher wenden sich stattdessen Online-Services zu. Der amerikanische Online-Spirituosenhändler Drizly verzeichnete eigenen Angaben zufolge ein Zehnfaches an Bestellungen, da sich die Konsumenten nach Lebensmitteln nun auch mit Alkohol eindecken. Durch die verzögerten Lieferzeiten in einigen Ländern werden Spirituosenhersteller jedoch kurzfristig Schwierigkeiten haben, die rückläufigen Umsätze von Bars und anderen Lokalen zu 100 Prozent ausgleichen zu können.

Geschlossene Gastronomie fördert Online-Dienste

Auf kurze Sicht werden Spirituosenmarken in der Lage sein, die Verkaufsverluste bis zu einem gewissen Grad durch steigende Verkaufszahlen über Onlineportale auszugleichen, wie bereits in den USA und China zu beobachten ist. Inwiefern sich dies in europäischen Ländern durchsetzen wird hängt von den bereits bestehenden Onlineservices und der Lieferlogistik ab, die es den Händlern erlauben, mit der Nachfrage Schritt zu halten. Zudem gilt es auch hier, Länderbesonderheiten zu beachten: Vor der COVID-19-Krise haben im Vergleich zu 35 Prozent der chinesischen Verbraucher in Deutschland nur 4 Prozent der Konsumenten online Bier eingekauft. Inwieweit Onlinedienste genutzt werden, hängt mit der länderspezifischen Bereitschaft zum Online-Einkauf von alkoholischen Getränken zusammen.

Aufgrund der geschlossenen Gastronomie werden sich jedoch auch die Europäer insgesamt stärker an E-Commerce-Plattformen wenden, um alkoholische Getränke wie Spirituosen nach Hause zu bestellen – gerade in Zeiten des Lockdowns, in denen besondere Mahlzeiten und Getränke als Belohnung angesehen werden. Einer Mintel-Studie zufolge trinken etwa sieben von zehn US-Verbrauchern Alkohol, um sich zu entspannen. Durch den derzeitigen mentalen Stress, den viele Menschen untergehen, könnte dies zu einem Konsumaufschwung führen. Spirituosenhersteller könnten darauf beispielsweise mit Cocktail-Kits reagieren, um Verbrauchern den Genuss von Premiumgetränken auch zuhause anbieten zu können.

Lieferdienste und Zusammenarbeit mit Handelspartnern

Große europäische Einzelhändler, die Lieferdienstleistungen für Lebensmittel und Getränke anbieten, können die steigende Nachfrage nach Hauslieferungen teilweise nur mit großen Zeitverzögerungen bedienen. Eine offensichtliche Strategie zur kurzfristigen Umsatzkompensation besteht darin, mehr Spirituosen über andere Kanäle wie z. B. über lokale Convenience-Shops zu verkaufen, obwohl dies natürlich ebenfalls von den logistischen Kapazitäten vor Ort abhängt. Alternativ können Alkoholmarken mit beliebten Bestellservices wie Deliveroo und Uber Eats zusammenarbeiten.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Zusammenarbeit mit App-basierten Getränkelieferanten: Kol bietet in London und Paris einen 24-Stunden-Lieferdienst für Wein und Spirituosen an, die innerhalb von 30 Minuten geliefert werden sollen. Flaschenpost ist eine ähnliche Plattform, die Kunden in ausgewählten deutschen Städten innerhalb eines Zeitfensters von 120 Minuten alkoholische Getränke nach Hause bringt.

Um allerdings jegliche Lücken zu schließen und Umsatzverluste bestmöglich auszugleichen, könnten Spirituosen- und Alkoholmarken ebenfalls in Erwägung ziehen, ihre eigenen Lieferdienste zu entwickeln. Auch dafür lohnt sich der Blick auf potenzielle Handelspartner vor Ort, mit denen eine Zusammenarbeit auf lokaler Ebene möglich wäre.  Ein interessantes Beispiel stellt der britische Getränkehändler Matthew Clark dar, der eine App ins Leben gerufen hat, um lokalen Bars per Click & Collect oder sogar per Hauszustellung einen provisorischen Absatzkanal zu bieten. Solch ein Service wäre auch in anderen Ländern wie etwa Deutschland denkbar.

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