Bei Wermut handelt es sich entgegen vieler Vermutungen nicht etwa um einen Schnaps, sondern um einen mit Kräutern, Baumrinden, Wurzeln und diversen Gewürzen aromatisierten Wein. Somit vereint er interessante Eigenschaften des Gins, ist bisher jedoch lange nicht so bekannt und wertgeschätzt wie das klare Trendgetränk. Lange wird es jedoch nicht mehr dauern bis Early Adopters bereit dafür sind, sich vor dem bevorstehenden „Peak Gin“ nach neuen Alternativen umzusehen.

Während Gin typischerweise einen Alkoholgehalt von 37,50 bis 40 Volumenprozent aufweist, ist Wermut nur halb so alkoholreich. Genau das macht das Getränk so attraktiv für moderate Trinker, die Geschmack und Kontrolle über den eigenen Alkoholkonsum priorisieren. Ein weiteres Plus ist, dass Wermut dank seiner Geschmacksvielfalt von süßlich bis trocken eine breitere Palette von Gaumen anspricht als Gin. Dessen leicht bitterer Geschmack ist auch ein Grund dafür, warum die Spirituose den Durchbruch auf den amerikanischen Markt noch nicht geschafft hat.

Im folgenden Video diskutieren Jonny Forsyth und Alex Beckett, beide Associate Directors of Food & Drink bei Mintel, wieso Wermut das nächste neue Trendgetränk der Alkoholbranche ist.

Cocktails als perfekter Einstieg für den Wermut-Genuss

Die Wiederentdeckung der Cocktail-Kultur und klassischer Cocktails wie etwa Negronis hat Wermut zum Comeback verholfen. Gerade Cocktails bieten zumeist jüngeren Verbrauchern oftmals den Einstieg in den Genuss höheralkoholischer Getränke. Daher versuchen Craft-Brands, Wermut als Longdrink z.B. in Kombination mit Mineralwasser auf den Markt zu bringen. Allerdings entfaltet sich der komplex-aromatische Geschmack von Wermut nur dann vollständig, wenn er pur getrunken wird.

Craft Spirits verzeichnen immer noch ein steiles Wachstum – nicht zuletzt auch, weil Konsumenten weltweit nach wie vor Qualität vor Quantität stellen. Wermut-Produzenten haben die Möglichkeit an diesen Erfolg anzuknüpfen und die Geschichte ihrer Rezeptur wie auch der natürlichen Aromen aus mazerierten Rinden, Kräutern und Gewürzen zu erzählen und dabei zugleich die Qualität und Herkunft der von ihnen verwendeten Traubensorten hervorzuheben.

Kleinere Craft-Brands treiben den Aufstieg von Wermut voran

Der Umsatz von Martini, der weltweit größten Wermut-Marke, ging in den vergangenen Jahren zurück. Dafür haben kleinere Hersteller das Marktwachstum befeuert.

Discarded ist ein süßlicher Wermut des britischen Herstellers William Grant & Sons. Das Besondere an dem Getränk ist, dass es aus Cascara hergestellt wird – einem Aufguss aus Kaffeekirschenschalen, welche zumeist als Abfall verkommen. Verfeinert wird das Geschmacksprofil durch Wermutkraut und Zimt.

Credit: @Discardedspirits

Die deutsche Marke Belsazar, die zum Spirituosenkonzern Diageo gehört, bietet von fruchtig-süßlich bis würzig-komplex mehrere Wermutsorten an. Ihre Weine beziehen sie laut eigener Website-Informationen aus den südbadischen Regionen Markgräflerland und Kaiserstuhl.

Credit: Belsazar

Craft Gin mag zumindest in Europa zwar das jetzige Trendgetränk sein – allerdings werden Hersteller, die jetzt in „botanische“ Spirituosen wie Wermut investieren, schon bald den Erfolg für den Ausbau ihres Angebots ernten können.

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