Livestreams, Virtuelle Realität (VR) und digitale Event-Angebote haben infolge der Lockdowns eine Hochzeit erlebt. Zwei Drittel der britischen Verbraucher, die Interesse an Livestream-Konzerten haben, sind sogar bereit mehr als 10 Pfund für dementsprechende Angebote auszugeben. In diesem Artikel stellen zwei unserer Analysten die innovativsten Beispiele aus England und den USA vor, die den Übergang zwischen der digitalen und physischen Welt gemeistert haben, um ihren Zuschauern und Besuchern auch während der Lockdowns Kulturangebote zugänglich zu machen.

Leisure Analystin Narmada Sarvanantha:

Aufführungen mit multisensorischen Erlebnissen neu definieren

 

Current, Rising ist die weltweit erste Hyperreality-Oper, mit der das Londoner Royal Opera House Zuschauer auf eine multisensorische VR-Reise schickt. Zu ausgewählten Zeiten können sich die Besucher die virtuelle Aufführung, die an Shakespeares Theaterstück „The Tempest“ angelehnt ist, in Vierergruppen ansehen und vor Ort in den eigens dafür kreierten Kosmos eintreten. Wie im Mintel-Trend „Sense of the intense“ beschrieben, verleiht das multisensorische Angebot der Kunstform eine tiefere Bedeutung, was einer eine Neudefinition der klassischen Oper gleichkommt.

Current, Rising im The Royal Opera House

Quelle: Joanna Scotcher und Figment Productions

Geschäfte erschließen den digitalen Raum

Im dem circa 2.500 Quadratmeter umfassenden Now Building an der Londoner Tube-Station Tottenham Court Road sollen insgesamt an 8K-LED-Screens von Boden bis zur Decke ein immersives 360-Grad-Erlebnis der Extraklasse ermöglichen. Das vierstöckige öffentliche Gebäude, das Geschäfte, Restaurants und Bars beherbergen soll, lässt den physischen mit dem digitalen Raum verschmelzen – somit bietet es den Besuchern weitaus mehr als das klassische Einkaufserlebnis. Mit derartigen hybriden Modellen sollen Verbraucher wieder zurück in die Einkaufsstraßen gelockt werden.


Source: Getty Images

 

Livestreams über mehrere Kameras folgen

Mit dem Projekt The Best Seat in Your House will das Londoner Young Vic Theatre Interesse an Livestreaming-Veranstaltungen fördern. Das Besondere: Die Aufführungen werden von mehreren Kameras aufgefangen, wodurch Zuschauer von zu Hause aus den jeweiligen Stücken aus mehreren Blickwinkeln folgen können. Während Livestreaming ursprünglich als „reine Alternative“ zu Veranstaltungen vor Ort gedacht war, hat es sich zu einem eigenen Kanal entwickelt, der das Theater zugänglicher und dynamischer gestalten soll.

„Best Seat in Your House“-Aufführungen werden per Livestream über die Webseite des Young Vics übertragen.

Quelle: Young Vic Theatre

 

Consumer Technology Analyst Zach Emmanuel:

AmazeVR legt die Messlatte für digitale Räume hoch

Der Virtual-Reality-Anbieter AmazeVR begann im letzten Sommer damit, virtuelle Konzerte auf seiner Plattform anzubieten. Dieses Jahr wird in Los Angeles ein Pop-up in Form eines Tourbusses folgen, der mit haptischen Sitzen ausgestattet ist und Konzert-Fans ein multisensorisches Erlebnis bieten soll.

Der Besitz von VR-Headsets ist in den letzten Jahren ins Stocken geraten, und es ist weiterhin schwierig, das Interesse in Kaufzahlen zu verwandeln. Im September 2020 hatten über 10 Prozent der britischen Verbraucher, die noch nicht im Besitz eines VR-Headsets waren, eines ausprobiert und waren im Anschluss am Kauf eines solchen Geräts interessiert. Unternehmen könnten das Interesse an derartigen Geräten wecken, indem sie VR-Geräte an Veranstaltungsorten anbieten, um die vielfältigen Möglichkeiten der VR-Technologie vorstellen.


Der “Amaze Tour Bus”

Quelle: AmazeVR

 

Kulturveranstaltungsbranche reagiert auf verändertes Verbraucherverhalten

Mit den Lockerungen bzw. Aufhebungen der Corona-Beschränkungen haben diesen Sommer Veranstaltungen endlich wieder stattfinden können. Die Perioden der Lockdowns haben den Verbrauchern insbesondere in den dunkleren Monaten den Komfort von Livestream-Events nähergebracht. Eine Untersuchung von Mintel zeigt, dass seit Beginn des COVID-19-Ausbruchs ein Drittel der Briten eine Veranstaltung per Livestream verfolgt hat.

Aus derselben Studie geht hervor, dass knapp ein weiteres Drittel der Befragten an einem VR-Livestreaming einer Veranstaltung interessiert wäre. In Zukunft werden die Verbraucher immersive, interaktive und anregende Erlebnisse erwarten. Betreiber, Veranstalter und Händler müssen herausfinden, wie sie den kommerziellen Raum strategisch nutzen und dessen Wirkung maximieren können, um diese Nachfrage zu bedienen.

Unser Fazit

Die Pandemie hat die Art und Weise, wie die Verbraucher auf Unterhaltungs- und Kulturveranstaltungen zugreifen, erheblich verändert und wird dies auch in den kommenden Jahren tun. Das Jahr 2020 hat der digitalen Welt einen Schub gegeben und die Verbraucher auf den Geschmack gebracht. Veranstalter werden weiterhin auf gemeinsame Partnerschaften untereinander setzen und die digitalen Räumen mit Lösungsanbietern voranbringen. Mintel geht daher davon aus, dass die Kulturveranstaltungsbranche trotz der anhaltenden Pandemie wieder florieren wird. Unternehmen können die Popularität und die technischen Möglichkeiten der Virtuellen Realität nutzen, um den Weg für ein neues, kooperatives und vernetztes Modell der digitalen Unterhaltung zu ebnen.

 

 

 

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