Selbstverständlich sind Rückblicke in die Vergangenheit wichtig und notwendig, um die Gegenwart und die Zukunft zu verstehen. Die Geschichte lehrt uns beispielsweise, dass COVID-19 nicht die erste Pandemie ist, die die Menschheit bedroht – allerdings handelt es sich bei der Coronakrise um „unsere“ Pandemie, der wir mithilfe von Desinfektionsmitteln und teils handgefertigten Gesichtsmasken die Stirn bieten.

Während wir im Jahre 2020 also versuchen, unsere eigenen Artefakte zur Einhaltung der Hygienebestimmungen schaffen, hat sich die COVID-19-Pandemie vom Ausnahmezustand zur „neuen Normalität“ gewandelt. Dieser Begriff ist allerdings alles andere als neu: Die Periode der Großen Rezession von 2007-2008 wurde ebenfalls „die neue Normalität“ getauft. Recycelt wurde der Term schließlich für die Zeitspanne der Weltfinanzkrise zwischen 2008 und 2012, wobei man dabei eigentlich von der „neuen neuen Normalität“ hätte sprechen müssen.

Die Corona-Pandemie stellt im Vergleich jedoch eine ganz andere und eine sich weiterhin verändernde Situation dar, insbesondere da sich Medikamente und Impfstoffe noch in der Entwicklungsphase befinden. Angesichts des Ausmaßes und der Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus wie auch aufgrund seines Rückkehrpotenzials erfordert die momentane Lage einen neuen Deskriptor: Wir befinden uns im „nächsten Normalzustand“.

Von einer statischen Momentaufnahme zu zukunftsgerichteten Aussagen

Um den Unterschied zwischen eines „neuen“ und eines „nächsten Normalzustandes“ zu verstehen, müssen wir uns linguistisch an beide Begriffe herantasten. „Neu“ ist ein statisches Adjektiv, das das Hier und Jetzt beschreibt. Was heute neu ist, kann aber morgen schon wieder veraltet sein. Ein Auto gilt schließlich auch nur bis zu einem Tachostand von 200 Kilometern als „fabrikneu“. Und eine Idee ist nur bis zu dem Zeitpunkt neu, an dem sie über Social Media weiter verbreitet und von der breiten Masse angenommen wird.

Das Adjektiv „nächste“ bzw. „nächster, nächstes“ besitzt hingegen eine komplexere Bedeutung und beschreibt einen Fortschritt, eine Art Schwebezustand zwischen dem Jetzt und der nahen Zukunft. Und genau das trifft auf unsere derzeitige Lage am treffendsten zu. Schließlich wissen wir noch nicht genau, was morgen passiert, zumal das Virus noch nicht vollends erforscht ist. Bis zur erfolgreichen Bekämpfung der Pandemie wird es folglich noch viele „nächste Normalzustände“ geben.

Unsere jetzige Realität ist von Markt zu Markt variabel

Der Umgang mit dem Lockdown
Die meisten Verbraucher waren zwei bis drei Monate in der Massenquarantäne – einige Länder und Regionen haben den Lockdown zwischenzeitlich wieder einführen müssen. In einigen Ländern arbeiten die Menschen teilweise immer noch von zu Hause und müssen sich ums Homeschooling kümmern.

Unsicherheit der Verbraucher
Obwohl einige Länder schnell zu ihrer „alten Normalität“ zurückkehrten, sind einige Verbraucher darüber unschlüssig, welche Aktivitäten sie wieder aufnehmen dürfen bzw. wollen.

Hygienebestimmungen
Masken, Reduzierung sozialer Kontakte, Abstandsregelungen: Momentan gelten überall unterschiedliche Bestimmungen.

Wankende Wirtschaft
Der derzeitige Zustand ist offensichtlich noch weit von unserer „alten Normalität“ entfernt. In vielen Ländern nimmt die Arbeitslosenzahl zu, während Arbeitsangebote sinken. Neben den steigenden Preisen zeichnen sich weitere Merkmale einer bevorstehenden Rezession ab.

Die momentane „Normalität“ ist nur ein Rohzustand

In einigen Ländern hat die Pandemie gesellschaftliche Unterschiede deutlich gemacht. Der soziale Aktivismus in den USA hat das Virus für einige Wochen aus den Schlagzeilen verdrängt; auch in anderen Ländern wie Brasilien haben politische und soziale Anliegen jenseits von COVID-19 augenscheinlich Vorrang.

COVID-19 mag zwar der der Katalysator für viele Veränderungen gewesen sein –das Virus ist jedoch nicht der einzige Faktor, der zu wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen beigetragen hat. Die momentane Situation lässt sich daher kaum mit dem Finanz-Crash von 2007/08 oder der Eurokrise ab 2009 vergleichen. Es handelt sich nicht um einen „neuen Normalzustand“. Auch eine Gegenüberstellung mit dem Jahr 1968, das vielen durch die linksgerichteten Studenten- und Bürgerbewegungen in Erinnerung blieb, ist nicht möglich. Denn über den finanziellen und sozialen Unruhen steht ein noch ein viel größerer Faktor: die globale Corona-Pandemie.

COVID-19: Unser „nächster“ und „darauffolgender“ Normalzustand

Zur Pandemie gibt es noch viele unbeantwortete Fragen: Wann ist sie vorbei? Wird es eine zweite oder sogar eine dritte Infektionswelle geben? Ab wann wird der Impfstoff erhältlich sein?
Viele sind die Pandemie leid; in einigen Ländern suggerieren Schlagzeilen über die abflachenden Corona-Kurven bereits, dass das Schlimmste vorbei wäre und die Menschen bald zur „Normalität“ zurückkehren könnten.

Diese Normalität, die nach der ersten Infektionswelle zunächst weltweit Besorgnis erregte und in einigen Ländern schließlich für politische Ablenkung sorgte, ist nur ein „nächster Normalzustand“. Selbstverständlich müssen wir uns an den derzeitigen Zustand anpassen, allerdings sollten wir uns nicht wie selbstverständlich daran gewöhnen. Denn angesichts der Entwicklungen der letzten Wochen und Monate müssen wir uns auf das, was noch kommen kann, gefasst machen.

Einzelhandelsbranche

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