Vegetarische und vegane Fertiggerichte* boomen in Deutschland, denn die Zunahme des so genannten Flexitarismus – einer pflanzlichen Ernährungsform, bei der nur gelegentlich Fleisch verzehrt wird – bietet Herstellern neue Möglichkeiten, fleischfreie Produktkonzepte zu erproben. Eine neue Untersuchung von Mintel zeigt, dass die Anzahl an Fertiggerichten, die damit werben „vegetarisch“ zu sein, in Deutschland zwischen 2011 und 2015 um mehr als das Siebenfache (633 %) gestiegen ist, während die Anzahl an als „vegan“ bezeichneten Fertiggerichten seit 2011 sogar um mehr als das Zwanzigfache gestiegen ist.

Die wachsende Anzahl an vegetarischen und veganen Fertiggerichten bedeutet, dass 12 % aller 2015 in Deutschland auf den Markt gebrachten Fertiggerichte die Bezeichnung „vegetarisch“ trugen – verglichen mit nur 2 % im Jahr 2011. Ebenso stark hat in dieser Kategorie auch die Bezeichnung „vegan“ zugenommen – von nur 1 % aller 2011 auf den Markt gebrachten Fertiggerichte auf 9 % im Jahr 2015.

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Darüber hinaus weisen Fertiggerichte, die pflanzliche Proteine wie Soja oder Weizen enthalten, ein besonders starkes Wachstum auf. Während vor 2014 der Anteil an Produkteinführungen mit pflanzlichen Proteinen stagnierte, hat die Innovationstätigkeit in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen. Der Anteil an Fertiggerichten, die pflanzliche Proteine enthalten, stieg laut Mintel’s Datenbank weltweiter Produktneueinführungen (GNPD) von 9 % im Jahr 2013 auf 23 % im Jahr 2015.

Katya Witham, Senior Food and Drink Analyst bei Mintel, berichtet:

„Fleischersatzprodukte erobern zunehmend den Speiseplan der Deutschen und Rezepte, die ursprünglich Fleisch beinhalteten, werden neu interpretiert. Von Spaghetti Bolognese über Paella bis hin zu Chilli con Carne – die neuen vegetarischen und veganen Fertiggerichte bieten eine komplett neue Vielfalt an ‚fleischähnlichen’ Rezepten und Geschmacksrichtungen. Die zunehmende Verwendung von pflanzlichen Fleischersatzprodukten bei Fertiggerichten zeigt, dass Lebensmittel, die früher als minderwertige Alternativen zu nicht vegetarischen und nicht veganen Optionen betrachtet wurden, jetzt von Verbrauchern als gleichwertig angesehen werden.“

Mintels Verbraucherumfrage aus dem Jahr 2015 bestätigt diesen Trend und beschreibt eine zunehmende Tendenz zum fleischfreien Verzehr und Flexitarismus in Deutschland. Obwohl nur 7 % der deutschen Erwachsenen angeben, sich komplett vegetarisch zu ernähren, berichtet ein Drittel (33 %), dass sie ihren Verzehr von rotem Fleisch aktiv reduzieren, und 19 % geben an, dass sie mehr vegetarische Lebensmittel in ihre Ernährung integrieren als noch vor einem Jahr.

Außerdem scheinen vor allem die gesundheitsbewussten Millennials aufgrund ihrer klaren Haltung zu Ernährung und Lebensmittelethik die stärkste Kraft hinter dem Anstieg von Fleischalternativen in Deutschland zu sein. Verglichen mit dem Durchschnitt aller Altersgruppen bezeichnen sich zweimal so viele Deutsche in der Altersgruppe 16–24 als Vegetarier (16 %); zudem gibt fast jeder Dritte (31 %) der 16- bis 24-Jährigen an, mehr vegetarische Lebensmittel in seine Ernährung zu integrieren als noch vor einem Jahr.

Bedenken über Gesundheit, Umwelt und Ethik bei Fleischkonsum

Die Gründe für die Entscheidung, Fleischalternativen zu konsumieren, scheinen vorrangig ethische und umweltbezogene Bedenken zu sein. In der Tat gaben in einer Umfrage von Mintel aus dem Jahr 2014 fast drei von zehn (30 %) zu Fleischalternativen greifenden Deutschen an, dass ethische Bedenken wie z.B. Tierschutz ein Grund hierfür sei. Bei den 16- bis 24-Jährigen steigt dieser Anteil sogar auf fast zwei von fünf (39 %). Außerdem geben 22 % der Deutschen, die Fleischalternativen zu sich nehmen, Bedenken über die Folgen des Fleischkonsums auf die Umwelt als einen Hauptgrund an.

„Bedingt durch zunehmende Bedenken über Gesundheit, Umwelt und Ethik sind pflanzliche Ernährungsformen heute in Deutschland so beliebt wie nie zuvor. Nicht nur die Anzahl überzeugter Vegetarier und Veganer in Deutschland nimmt stetig zu, sonder auch die der Verbraucher, die ihren Fleischkonsum zugunsten so genannter flexitarischer Ernährung einschränken“, fügt Witham hinzu.

Die Ergebnisse von Mintel zeigen jedoch auch, dass Fertiggerichte in Bezug auf ein „gesundes“ Image noch einen langen Weg vor sich haben, da weniger als drei von zehn (27 %) der 16- bis 24-jährigen Deutschen der Meinung sind, dass Fertiggerichte eine gesunde Option seien, während ungefähr die Hälfte (51 %) angibt, dass Fertiggerichte zu viele stark verarbeitete Inhaltsstoffe enthalten.

Trotzdem scheint es, dass junge Verbraucher gesündere Optionen in der Kategorie sehr wohl begrüßen würden, denn mehr als drei von fünf (63 %) der deutschen Verbraucher im Alter von 16 bis 24 Jahren geben an, es sei ihnen wichtig, dass Fertiggerichte aus gesunden Zutaten wie Vollkornreis und Gemüse hergestellt werden, und ungefähr die Hälfte (51 %) ist bereit, für zertifizierte Bio-Fertiggerichte mehr Geld auszugeben.

„Bedingt durch das enorme Interesse an Fleischalternativen unter den jüngeren deutschen Verbrauchern könnte die Bewerbung von Attributen wie gesunde Inhaltsstoffe, hoher Protein- und Vollkorngehalt sowie die ethischen Qualitätsaspekte von Fertiggerichten auf Basis von Fleischersatzprodukten diese Gerichte für die jüngere Zielgruppe noch attraktiver machen“, fasst Witham zusammen.

*beinhaltet Fertiggerichte, Kochboxen, Salate, Sandwiches/Wraps, Pizzen, Fertignudeln, Fertig-pasta, Fertigreis, Teiggerichte

Pressemuster der Untersuchung und Interviews mit Senior Food & Drink Analystin Katya Witham stehen auf Nachfrage zur Verfügung.

 

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