Angesichts widersprüchlicher Ernährungsempfehlungen, vor allem bei Fetten und Kohlenhydraten, sind Proteine die neuen Wohlfühl-Makronährstoffe der Verbraucher, und jetzt wird aus neuen Untersuchungen von Mintel ersichtlich, wie Verbraucher sich weltweit Proteinen zuwenden, um abzunehmen oder ihr Gewicht zu halten.

Neue Untersuchungen von Mintel, die sich mit vier wichtigen Verbrauchermärkten befassen – China, Großbritannien, den USA und Deutschland – kommen zu dem Schluss, dass eine bedeutende Anzahl an Verbrauchern im Jahr 2014 ihre Proteinzufuhr im Vergleich zum Vorjahr erhöht hat, was beweist, dass Proteine mehr als nur eine Modeerscheinung sind. Tatsächlich gab sogar ein Viertel der Verbraucher in China (26 %) und den USA (25 %) an, mehr Protein zu sich zu nehmen als im Vorjahr, während ein kleinerer, aber dennoch bedeutender Anteil der Verbraucher in Großbritannien (13 %) und Deutschland (12 %) angab, seine Proteinzufuhr erhöht zu haben.

In den vergangenen fünf Jahren haben bei der Markteinführung von Nahrungsmitteln und Getränken Werbeversprechen mit hohen Proteinanteilen weiter zugenommen. Der Prozentsatz der Nahrungsmittel- und Getränkeprodukte, bei denen Werbeversprechen mit hohen Proteinanteilen gemacht werden, ist zwischen dem Jahr 2010 und dem Jahr 2014 um 17 % gestiegen.

Stephanie Mattucci, Global Food Science Analyst bei Mintel, sagte:
„Es scheint, dass Proteine der letzte unerforschte Bereich der Nährwertangaben eines Nahrungsmittelprodukts sind. Proteine sind keine Modeerscheinung mehr, Ernährungspläne und Produkte mit hohem Proteinanteil haben in Sachen Ernährung einen echten Eindruck hinterlassen und die Einstellung der Verbraucher gegenüber Proteinen in ihrer Ernährung verändert. Durch den Wunsch nach gesundheitsfördernderen Nahrungsmitteln und Getränken haben Produkte mit einem hohen Proteingehalt Hochkonjunktur.“

Die Untersuchung hebt Proteine als interessantesten Hauptbestandteil für gewichtsbewusste Verbraucher hervor. Verbraucher wurden befragt, wieso sie das letzte Jahr über Ihre Proteinaufnahme erhöht haben. Von den Verbrauchern, die mehr Proteine zu sich nehmen, gab etwa die Hälfte der chinesischen (51 %), britischen (47 %) und US-amerikanischen (46 %) Verbraucher an, mehr Proteine zu essen, um ein gesundes Gewicht beizubehalten, gefolgt von 39 % der deutschen Verbraucher. Daneben haben von den Verbrauchern, die ihren Eiweißkonsum erhöht haben, etwa 47 % der deutschen und 42 % der britischen Verbraucher gemeinsam mit 38 % der US-Verbraucher und 23 % der chinesischen Verbraucher ihre Proteinzufuhr gesteigert, um Gewicht zu verlieren. Des Weiteren haben etwa 43 % der US-amerikanischen, 34 % der chinesischen, 31 % der britischen und 25 % der deutschen Verbraucher, die ihren Proteinkonsum erhöht haben, dies getan, um ihren Appetit zu stillen.

„Im Jahr 2014 lag ein deutlicher Schwerpunkt auf der übergewichtigen oder adipösen Bevölkerung weltweit; Proteine sind durch ihre Sättigungseigenschaft, die Verbrauchern dabei hilft, sich länger satt zu fühlen, zu einem wichtigen Faktor für die Förderung von Gewichtsverlust und -kontrolle geworden. Diese Botschaft ist leicht verständlich und findet bei den meisten Verbrauchern großen Nachhall. Etablierte Produkte mit hohen Proteinanteilen beginnen, eine anspruchsvollere Kommunikation zu Proteinen zu adaptieren, was typischerweise traditionellen Nahrungsergänzungsmitteln mit hohem Proteingehalt vorbehalten war. Es wird zum Beispiel mehr über die Qualität der Proteine gesprochen, es wird Bezug auf die „Vollständigkeit“ der Proteine, das Vorhandensein essentieller Aminosäuren sowie auf die Bekömmlichkeit der Proteine genommen. Es gibt Möglichkeiten, die Werbeversprechen der Produkte besser auf die besonderen Bedürfnisse der Konsumenten zuzuschneiden: Erhalt der Muskelmasse mit fortschreitendem Alter oder aber der Wunsch nach Gewichtsreduzierung“, fährt Stephanie fort.

Der Schwerpunkt liegt zunehmend darauf, Nahrungsmittel den ganzen Tag über in kleineren Mengen zu sich zu nehmen, und infolge dessen ist der Verzehr von Proteinen sowohl bei Snack-, Müsli- und Energieriegeln als auch bei löffelbaren Nahrungsmitteln angestiegen.
Betrachtet man die Markteinführungen von Nahrungsmittel- und Getränkeprodukten mit einem Werbeversprechen mit hohen Proteinanteilen im Jahr 2014, so sind die fünf Top-Kategorien, die am wahrscheinlichsten Proteine enthalten, 1. Snack-, Müsli- und Energieriegel (14 %) 2. Mahlzeitenersatz und andere Getränke (11 %) 3. Löffelbarer Joghurt (9 %) 4. Fleischsnacks (4 %) und 5. Fleischersatzprodukte (3 %).

„Mit der weiter zunehmenden Verwendung und Nutzung von Proteinen richtet sich die Aufmerksamkeit nun darauf, wann Proteine zu sich genommen werden und welche Proteine Verbraucher konsumieren. Untersuchungen stützen weiterhin die These, Proteine über den ganzen Tag gleichmäßiger zu verteilen, da es eher auf die Art der Aufnahme als auf die tägliche Gesamtmenge ankommt, die den Eiweißstoffwechsel anregt und sich positiv auf die Muskelproteinsynthese auswirkt. Dies sollte die Aufnahme von Inhaltsstoffen mit hohem Proteinanteil in Frühstücks- und Snackprodukten fördern, um Verbrauchern dabei zu helfen, Ihre Proteinzufuhr über den gesamten Tag zu verteilen“, fügt Stephanie hinzu.

Durch die Konzentration auf Proteine sind mehr pflanzenbasierte Proteine vorhanden. Im Rahmen der Bemühungen von Verbrauchern, ihren Konsum von rotem Fleisch zu reduzieren und eine mehr auf Pflanzen basierende Ernährung zu adaptieren, wächst die Verwendung von und Nachfrage nach nicht auf Fleisch basierenden Proteinquellen weiterhin. Weltweit betrachtet kommt diese neueste Untersuchung zu dem Schluss, dass sogar 40 % der chinesischen Verbraucher tierfreie Proteinquellen zu sich nehmen; darauf folgen drei von zehn (29 %) US-Verbrauchern, ein Viertel (26 %) der deutschen Verbraucher und 18 % der britischen Verbraucher.

In ganz Europa reduzieren oder meiden Kunden aktiv rotes Fleisch; im Jahr 2014 gaben fast vier von zehn (38 %) Italienern an, sie würden rotes Fleisch reduzieren oder meiden, darauf folgte ein Drittel (33 %) der Verbraucher in Frankreich und Deutschland und drei von zehn (30 %) in Spanien. Tatsächlich spiegelt der Vergleich der Anzahl von Verbrauchern in ganz Europa, die ihren Konsum von rotem Fleisch reduzieren oder meiden, mit der Anzahl tatsächlicher Vegetarier (5 % in Frankreich, 4 % in Spanien, 7 % in Deutschland und 8 % in Italien) ein Interesse an flexibler Ernährung wieder und zeigt auf, wie pflanzenbasierte Proteine zu einer gesunden und nachhaltigen Ernährung beitragen können.

„Viele Verbraucher meiden tierische Proteinquellen, was zur Folge hat, dass verschiedene Proteinquellen aufkommen. Nahrungsmittel wie alte Getreidesorten, Chiasamen und Hülsenfrüchte werden aufgrund ihres hohen Proteingehalts mit Interesse betrachtet und verwendet“, fährt Stephanie fort.

Insekten beginnen ebenfalls, in verschiedenen Produkten aufzutauchen, die weltweit eingeführt wurden. Die neueste Untersuchung kommt jedoch zu dem Schluss, dass nur ein begrenztes Interesse daran besteht, Insektenproteine zu probieren. Tatsächlich gaben 79 % der deutschen Verbraucher an, dass sie keine Insektenproteine gegessen haben und kein Interesse daran haben, sie zu probieren, gefolgt von 74 % der US-Verbraucher und 73 % der britischen Verbraucher. Darüber hinaus wären nur 21 % der deutschen, 26 % der US-Verbraucher und 27 % der britischen Verbraucher daran interessiert, von Insekten stammende Proteine zu probieren. Insgesamt betrachtet stoßen Insektenproteine in China auf die meiste Zustimmung, wo weniger als die Hälfte (48 %) der Verbraucher angab, keine Insektenproteine gegessen zu haben und nicht daran interessiert zu sein, sie zu probieren, und wo über die Hälfte (52 %) angab, interessiert daran zu sein, sie zu probieren.

Und genau wie westliche Verbraucher am meisten vor Insektenproteinen zurückschrecken, stehen andere neue Proteinquellen vor ähnlichen Herausforderungen. Tatsächlich gaben etwa 56 % der britischen Verbraucher, 54 % der US-Verbraucher und 42 % der deutschen Verbraucher an, sie hätten keine marinen Proteinquellen wie zum Beispiel Algen gegessen, und sagten, dass sie nicht daran interessiert seien, diese zu probieren. Im Gegensatz dazu gaben in China nur 4 % der Verbraucher an, sie seien nicht an marinen Proteinquellen interessiert, und sogar 71 % der chinesischen Verbraucher gaben an, marine Proteine bereits probiert zu haben.

„Insekten sind sehr nahrhaft, enthalten viele Proteine, Vitamine, Ballaststoffe und Mineralien. Während viele auf Insekten basierende Produkte weltweit eingeführt wurden, zeigt diese Untersuchung, dass neue Proteinquellen auf die Herausforderung stoßen werden, dass westliche Verbraucher nicht gewillt sind, sie zu probieren“, fasst Stephanie Mattucci zusammen.

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