Mit dem Auslösen von Artikel 50 hat das Vereinigte Königreich hat nun den Brexit Prozess offiziell begonnen, fast ein Jahr nach der entscheidenden Abstimmung. Aus Perspektive der Verbraucher wird das Auslösen von Artikel 50 keine unmittelbaren Konsequenzen haben. Die wirtschaftliche Situation in England hält sich bislang besser als von vielen erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt wächst, die Arbeitslosigkeit ist auf einem Rekordtief und bisher hat der Immobilienmarkt ebenfalls nicht gelitten.

Dies spiegelt sich in der ‘Verbrauchervertrauen’ Umfrage von Mintel wieder. Eine Analyse von der Sicht von Konsumenten auf ihre persönliche Finanzsituation sah ein klares Tief unmittelbar nach der Abstimmung. Nach einem Schockmoment ist das Vertrauen der britischen Konsumenten jedoch zurückgekehrt und weist sogar einen steigenden Trend auf. Mitte März 2017 war die Stimmung in Bezug persönlicher Finanzen nahe dem Allzeithoch seit Beginn der Mintel Umfragen im Jahr 2009.

Inflation ist die größte Sorge der Verbraucher

Einer der Gründe, warum das Vertrauen der britischen Verbraucher gehalten hat ist die Tendenz der Konsumenten, makroökonomischen Fragen von ihrer eigenen finanziellen Situation zu trennen. Was am Ende zählt, ist nicht das Bruttoinlandsprodukt oder internationale Handelsabkommen, sondern der persönliche Kontostand. Statistisch gesehen, sehen die Briten keine großen Konsequenzen durch Brexit und glauben nicht, dass der Austritt aus der EU reale Auswirkungen auf ihre beruflichen Perspektiven oder ihr Haushaltseinkommen haben wird. Eine Sorge die den Briten jedoch Kopfschmerzen bereitet, ist die Aussicht auf steigende Preise. 45% der britischen Verbraucher denken, dass die EU-Abstimmung einen negativen Einfluss auf die Lebenshaltungskosten haben wird.

Diese Befürchtungen der Verbraucher sind gerechtfertigt. Im Februar 2017 stieg die Verbraucherpreisinflation (CPI) um 2,3%. Nach fast zweieinhalb Jahren, in denen das Durchschnittseinkommen endlich die Inflation überholt hat, ist England wieder in der unglücklichen Lage, dass das durchschnittliche Einkommen kaum mit den stetigen Preiserhöhungen Schritt halten kann. Dass Rohstoffpreise für britische Hersteller um 19,1% in den 12 Monaten bis Februar 2017 gestiegen sind, ist ebenfalls kein gutes Zeichen. Wenn die realen Löhne fallen, beginnen Verbraucher unvermeidlich ihre Ausgaben neu zu überdenken. Die Nachwirkungen der Finanzkrise trugen so beispielsweise zum Aufstieg von Discountern wie Aldi und Lidl in England bei.

Ein gutes Preisleistungsverhältnis ist jedoch nicht gleichbedeutend mit billig. Hautpflegeprodukte und Düfte aus dem Premiumsegment haben sich während der Finanzkrise beispielsweise gut gehalten. Ein sich wandelnder Markt bietet immer neue Möglichkeiten für Hersteller die schnell genug auf die neuen Wünsche und Bedürfnisse der Verbraucher eingehen können. Auch wenn es Chancen eröffnet, wird ein geringeres durchschnittliches Einkommen unweigerlich in die Konsumausgaben eindringen. Letztlich sind Brexit-Verhandlungen nach wie vor Unvorhersehbar und die Diskussion ob Brexit langfristig positive Konsequenzen für das Vereinigten Königreichs bringen wird ist noch nicht vorbei.

Kurz- bis mittelfristige Auswirkungen auf die finanzielle Situation der Verbraucher sind viel eindeutiger. Konsumenten müssen zu den in der Finanzkrise gelernten Sparstrategien zurückkehren, um mit der de facto Abwertung der Gehälter und den steigenden Preisen von Konsumgütern zurecht zu kommen. Für den Einzelhandel und Verbraucher gleichermaßen wird das Leben in den nächsten Jahren zunehmend schwieriger werden.

Verbraucherforschung

Bei der Verbraucherforschung geht es um Menschen. Was sie sehen, was sie tun, was sie kaufen. Was sie essen, was sie trinken. Was sie denken, wie sie sich entscheiden und wonach sie streben.

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