Kalifornien leidet nun schon das vierte Jahr in Folge unter einer Dürre epischen Ausmaßes. Laut dem US Drought Monitor (Dienst zur Verfolgung der Entwicklung trockener Gebiete) herrschen im Großteil dieses US-Bundesstaates entweder außerordentliche oder extreme Dürrebedingungen. Ab März 2015 führte Gouverneur Jerry Brown erstmals in der Geschichte des US-Bundesstaates zwingende Einschränkungen beim Wasserverbrauch ein.  Auch in Brasilien herrschen katastrophale Bedingungen. So weisen 17 der 18 größten Wasserspeicher des Landes niedrigere Stände auf als während der letzten Wasserkrise im Jahr 2001. São Paulo befindet sich weiterhin inmitten einer ausgewachsenen Krise: Der Wassermangel führt in dem 41 Millionen Einwohner zählenden Bundesstaat zu mehr Rationierung.

Ein kürzlich von den Vereinten Nationen (UN) veröffentlichter Bericht stellt die Behauptung auf, dass die Welt in nur 15 Jahren 40 % zu wenig Wasser haben könnte. Der jährliche Weltwasserentwicklungsbericht der Vereinten Nationen prognostiziert, dass bis zum Jahr 2050 der weltweite Bedarf an Wasser um 55 % ansteigen wird, während die Ressourcen aufgrund einer Kombination aus niedrigen Grundwasserbeständen und unregelmäßigen Niederschlägen schwinden. Wenn sich die derzeitige Wassernutzung nicht ändert, wird die Welt laut der UN im Jahr 2030 lediglich 60 % der Wasservorräte zur Verfügung haben, die sie eigentlich benötigt. Dieses Problem wird durch die wachsende Weltbevölkerung noch verschärft – es wird erwartet, dass im Jahr 2050 9 Milliarden Menschen auf der Erde leben werden. Natürliche Ressourcen werden weiter beansprucht, da mehr Grundwasser für Anbau, Industrie und den persönlichen Verbrauch der Menschen notwendig sein wird. Der Bericht drängt Politiker und Gesellschaften dazu, ihren Umgang mit Wasser zu überdenken und größere Anstrengungen zu unternehmen, um Wasser zu sparen.

Die Notwendigkeit, Wasser in der Nahrungsmittelindustrie zu sparen, einschließlich der Landwirtschaft und der Lebensmittelherstellung, ist ein wesentlicher Faktor. Laut der UN ist die Landwirtschaft für 70 % des weltweiten Süßwasserverbrauchs verantwortlich. Bis zum Jahr 2050 wird die Landwirtschaft weltweit 60 % mehr Nahrungsmittel herstellen müssen, um den Bedarf zu decken; das geht aus dem Bericht Feeding Ourselves Thirsty [Wir essen uns durstig] von Ceres hervor. Die Welt müsste bis zum Jahr 2030 die Aufwendung ihrer Wasservorräte für Bewässerung um 14-17 % erhöhen, bloß, um die Ernährungsbedürfnisse ihrer wachsenden Bevölkerung abzudecken.

20% der weltweit neu eingeführten Nahrungsmittel- und Getränkeprodukte warben im Jahr 2014 damit, ethisch/umweltbewusst zu sein.

Ähnlich wie bei dem Konzept über Auswirkungen des Kohlenstoffausstoßes werden nun Konzepte im Zusammenhang mit Wasserverbrauch geschaffen, um auszuwerten, wie Wasser verwendet wird und wie sich dies auf die Umwelt auswirkt. Die Folgen des Wasserverbrauchs werden anhand der Menge an weltweit genutztem Wasser aus drei Wasserkategorien – blaues, grünes und graues Wasser – zusammengestellt. Blaues Wasser ist das aus Flüssen, Seen und Grundwasser stammende Wasser. Grünes Wasser ist Regenwasser, das direkt von Früchten gebraucht wird, und graues Wasser ist die Menge an Wasser, die benötigt wird, um verschmutztes Wasser so zu verdünnen, dass es wieder verwendet werden kann.

Werbeslogans bei Nahrungsmittel- und Getränkeprodukten, die mit ethischen und umweltfreundlichen Eigenschaften werben, nehmen zu; dies wird von Aussagen bekräftigt, die Verpackungen und die Produkte seien umweltschonend. Im Jahr 2011 warben 13 % der weltweit neu eingeführten Nahrungsmittel- und Getränkeprodukte damit, ethische/umweltfreundliche Kriterien zu erfüllen – im Jahr 2014 war dies bei 20 % der neuen Produkte der Fall.

MARKEN ERZEUGEN EINE WIRKUNG

Obwohl nur bei wenigen Produktverpackungen deren Auswirkung auf den Wasserverbrauch thematisiert wird, ergreifen Unternehmen sehr wohl Maßnahmen, um Wasser zu sparen. Nestlé USA hat kürzlich Pläne angekündigt, seinen Wasserverbrauch in Kalifornien zu senken. Das Unternehmen kündigte ein Projekt von 7 Millionen Dollar an, bei dem die Molkereianlage von Nestlé in Modesto in Kalifornien zu einer „Null-Wasser-Fabrik“ umgewandelt werden soll – das Unternehmen hat im Jahr 2014 bereits eine ähnliche Anlage in Mexiko errichtet. Das gesamte Wasser, das in der Anlage verwendet wird, stammt aus aufbereitetem Wasser aus dem Molkereibetrieb des Unternehmens – dies wird etwa 63 Millionen Gallonen Wasser pro Jahr einsparen.

Wassereinsparungen sind insbesondere bei Produkten wichtig, bei denen Wasser den Hauptbestandteil des Fertigprodukts ausmacht. „Brewing a Better World“ von Heineken hat dem Unternehmen in den vergangenen sechs Jahren 83,8 Millionen Dollar eingespart, indem weniger Energie und Wasser verbraucht wurden. Das langfristige Nachhaltigkeitsprojekt von Heineken hat den Wasserverbrauch der unternehmenseigenen Brauereien seit 2008 um 23 % reduziert und zielt darauf ab, bis zum Jahr 2030 den Wasserverbrauch um weitere 30 % zu senken.

SCHLUSSGEDANKEN

Die durch die globale Erwärmung verursachten wechselnden Wettermuster werden die Notwendigkeit für Unternehmen und Regierungen noch dringlicher machen, beim Wasserverbrauch konservativer zu sein. Die Kommunikation von Bemühungen, Wasser einzusparen, wird unter Verbrauchern Nachhall finden, insbesondere mit jenen, die in Gebieten leben, die unter Dürren zu leiden haben. Laut dem Bericht Marketing to the Green Consumer US 2014 (an den grünen Verbraucher gerichtetes Marketing in den USA, 2014) sind 48 % der Verbraucher an den umweltfreundlichen Methoden der Unternehmen interessiert. Darüber hinaus wäre es 61 % der Verbraucher in den USA lieber, dass die Unternehmen daran arbeiten, ihre Geschäftspraktiken zu verbessern, sodass sie umweltfreundlicher sind, anstatt an Umweltschutzorganisationen Geld zu spenden. Da Dürren in Kalifornien und Brasilien weiterhin die Aufmerksamkeit der Medien erregen, könnten Verbraucher auch an den Wasserpraktiken der Unternehmen interessiert sein.

Stephanie Mattucci ist Global Food Science Analyst bei Mintel. Bevor sie bei Mintel arbeitete, war Stephanie als Lebensmittelwissenschaftlerin in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines in Chicago ansässigen Unternehmens für Inhaltsstoffe tätig und unterstützte Kunden in der Lebensmittelindustrie mit ihrem Fachwissen.

 

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