SirPlus ist ein Start-up aus Berlin, das eines der großen gesellschaftlichen Probleme angehen will: Lebensmittelverschwendung. Gegründet wurde das Unternehmen von Raphael Fellmer, Food-Saving-Aktivist und Mitbegründer der Plattform foodsharing.de, in Partnerschaft mit Alexander Piutti und Martin Schott. Die Mission der Gründer besteht darin, durch die Nutzung eines nachhaltigen Geschäftsmodells die Lebensmitteleinsparung Mainstream zu machen. In Zusammenarbeit mit Lebensmittelproduzenten und Einzelhändlern rettet SirPlus überschüssige, abgelaufene und “unattraktive” Lebensmittel vor der Verschwendung. SirPlus verkauft die noch genießbaren Lebensmittel in einem “Food-Outlet” in Charlottenburg mit einem Rabatt von bis zu 70 Prozent auf den regulären Preis. Ein Teil des geretteten Essens soll zudem an soziale Organisationen wie Lebensmittelbanken gespendet werden.

Lebensmittelverschwendung ist ein großes Problem

Wie in dem Mintel Lebensmittel- und Getränketrend ‘Waste Not’ beschrieben, liegt der Fokus der Bemühungen um Nachhaltigkeit nun auf der Eliminierung von Lebensmittelverschwendung. Fast ein Drittel aller Nahrungsmittel, die für den weltweiten menschlichen Konsum produziert werden, werden laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen verschwendet. In der Europäischen Union werden laut einer EU-Studie von Fusion jedes Jahr 88 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet, was 173 Kilogramm pro Person entspricht. Ursachen für Verschwendung sind unter anderem Überproduktion, Fehlinterpretationen von “Best-Before-Labels” und ästhetische Standards für Obstes und Gemüse. Fast die Hälfte (40 Prozent) des weltweit produzierten Obst und Gemüse wird verschwendet.

Die Bekämpfung von Lebensmittelabfällen wird die Verbraucher überzeugen

Die Nachhaltigkeit mag zwar noch in Bezug auf Qualität und Preis in den Hintergrund treten, gleichzeitig entwickeln die Verbraucher jedoch ein größeres Bewusstsein für die ethischen Herausforderungen der Gesellschaft. Im Gegensatz zu vielen Nachhaltigkeitsthemen, die weit entfernt vom Leben des Verbrauchers sind, ist Lebensmittelverschwendung ein Thema, das für den Durchschnittsverbraucher spürbar ist. Verbraucher geben an, bei ihren Einkäufen auf ethische und ökologische Fragen zu achten, aber sie erwarten auch, dass Marken in ihrem Namen verantwortungsbewusst handeln, wie im Mintel Trend “Moral Brands” beschrieben. Zwei von fünf Verbrauchern im Vereinigten Königreich geben an, dass Bemühungen zur Abfallreduzierung ihnen bei Marken wichtig sind.

Lebensmittelverschwendung ist ein großes und wachsendes globales Problem, das Kosten für die Umwelt und die Gesellschaft insgesamt verursacht. Insofern rücken Lebensmittelabfälle zunehmend in den Fokus der Nachhaltigkeitsbestrebungen von Regierungen, Unternehmen und Verbrauchern. Nachhaltigkeitsinitiativen stehen jedoch oft vor einem Balanceakt zwischen Notwendigkeit und Erschwinglichkeit und tendieren dazu, sich dort zu behaupten, wo sie sich langfristig auszahlen.

SirPlus wurde als Gewinnsituation für alle Beteiligten entwickelt, die sowohl Herstellern, Lieferanten und Verbrauchern wirtschaftliche Vorteile bietet. Da das Bewusstsein der Verbraucher für Lebensmittelverschwendung steigt und das Thema in den Medien intensiv diskutiert wird, entwickeln sich die Anti-Verschwendung-Initiativen von Unternehmen im Rahmen ihrer ethischen Unternehmensidentität von einem “nice-to-have” zu einem “Must-have”.

Julia Büch ist Food & Drink Analystin mit Fokus auf Deutschland bei Mintel. Sie ist darauf spezialisiert, eine Reihe von Nahrungsmittel- und Getränkekategorien im deutschen Markt zu analysieren. In ihrer vorherigen Rolle als Trend & Innovation Consultant bei Mintel war sie für deutschsprachige Kunden verantwortlich.

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