Der 1. April 2015 markiert den Beginn einer neuen Zeitrechnung in der Milchindustrie und könnte mit Blick auf Produktion, Lieferkette und Handel für die Branche zu einem entscheidenden Datum der jüngeren Geschichte werden.

Gestern (31. März 2015) endete das historische EU-Milchquotensystem, das seit 1984 die Milchproduktion begrenzte.

Das bedeutet, dass die EU-Mitgliedsstaaten – und ihre Bauern – ab sofort so viel Milch produzieren dürfen, wie sie wollen, ohne die bei Quotenüberschreitung drohenden EU-Superabgaben fürchten zu müssen. Zukünftig unterliegt das Produktionsvolumen ausschließlich natürlichen Kräften (einschließlich Marktkräften) wie Rohstoffpreise, Investitionskapazität der Bauern und Wetterbedingungen.

Welche Auswirkungen die Abschaffung der Quoten haben wird, ist bislang nicht absehbar. Die Möglichkeiten zur Erhöhung der Milchproduktion variieren unter den Mitgliedsstaaten stark – noch deutlicher dürften die Unterschiede ausfallen, wenn es darum geht, vom Ende der Milchquoten zu profitieren.

48 % der britischen Verbraucher, die Käse kaufen und essen, haben keine klare Präferenz für britischen oder irischen Cheddar.

Einige Länder, zum Beispiel Irland, sind in der Lage, die Produktion praktisch sofort über die ehemaligen Quotenmengen hinaus zu steigern. So ist es kein Zufall, dass das Irish Dairy Board, Marketing-Organisation der irischen Milchwirtschaft und Inhaber der Marken Kerrygold, MU und Pilgrims Choice gestern ein Re-Branding beschlossen hat: Der Name Ornua, der sich aus den irisch-gälischen Wörtern für „Gold“ und „Neu“ zusammensetzt, deutet darauf hin, dass das Unternehmen sich vom Ende der Quoten „neues Gold“ verspricht.

Dagegen werden andere EU-Mitgliedsstaaten nicht in der Lage sein, die Produktion kurzfristig deutlich zu steigern.

Einige britische Kommentatoren befürchten, dass Großbritannien zu einem Zielmarkt für Massenmilchprodukte aus anderen Ländern werden könnte, die entsprechende britische Produkte preislich unterbieten. Eine besondere Bedrohung sehen britische Käseproduzenten in Cheddar aus Irland. Laut dem Bericht „Cheese UK 2014“ von Mintel haben 48 % der britischen Verbraucher, die Käse kaufen und essen, keine klare Präferenz für britischen oder irischen Cheddar. Vor diesem Hintergrund erscheint es unwahrscheinlich, dass die Auslobung der britischen Herkunft allein zur Kundenbindung genügen wird, wenn irischer Cheddar verstärkt – und zu günstigeren Preisen – auf den Markt drängen sollte.

Um wirtschaftlich von zusätzlichen Milchmengen zu profitieren, müssen britische Hersteller ihre Produkte deshalb zwingend mit einem Mehrwert ausstatten. Produktinnovationen wie A2-Milch (die einige Verbraucher besser vertragen) und der Protein-Drink Upbeat sind gute Beispiele für neue und hochinnovative Produkte auf Basis von britischer Milch bzw. britischem Molkeproteinkonzentrat.

Für britische Milchproduzenten gilt es solche zukunftsweisenden Innovationen geschickt mit intensiven Marketing- und Exportaktivitäten zu verbinden, um das Beste aus der Nach-Quoten-Ära zu machen.

Richard Ford, Senior Food and Drink Analyst im Mintel UK Team für Lebensmittel und Getränke, war zuvor sechs Jahre beim Branchenmagazin The Grocer tätig und dort zuständig für Nachrichten, Analysen und Fachberichte zu den Kategorien Fleisch, Fisch, Geflügel, Früchte, Gemüse, Eier und Meeresfrüchte. Vor seinem Wechsel zum Journalismus arbeitete er bei einer Kanzlei in der Londoner City als Anwalt im Fachgebiet Gebäude- und Gewerbeversicherungen.

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