Käse und Wein gelten allgemein als gute Kombination. Weltweit neu eingeführte Produkte deuten jedoch auf ein Ende dieser langjährigen Beziehung hin. Stattdessen wird Bier zunehmend zu einem würdigen Begleiter von Käse. Das ungleiche Paar hat mehr Gemeinsamkeiten, als man zunächst denken würde – handwerklich hergestellter Käse und Craft-Bier verweisen beide auf ihre Herkunft, ihre Herstellungsprozesse und ihre Produktion in geringen Mengen. An den weltweit neu eingeführten Produkten kann man erkennen, dass Käse und Bier zu einem dynamischen Duo werden. Bier machte 43 % der alkoholischen Getränke aus, die zwischen Januar und Juli 2015 neu auf den Markt kamen und auf deren Verpackung das Wort „Käse“ enthalten war. Im Jahr 2014 lag diese Zahl noch bei 26 %, im Jahr 2013 bei 29 %.

Obwohl die Empfehlungen für eine Kombination mit Käse weiterhin am häufigisten auf Weinverpackungen vorkommt, büßt Wein einen Anteil zugunsten von Bier ein. Zwischen Januar und Juli 2015 machte Wein nur noch 49 % aller weltweit neu eingeführten alkoholischen Getränke aus, auf deren Verpackung das Wort „Käse“ enthalten war. Im Jahr 2014 lag diese Zahl noch bei 67 %, im Jahr 2013 bei 69 %.

FÜHRENDE LÄNDER

In Ländern mit einer ausgeprägten Weinkultur, darunter Frankreich, Deutschland und Südafrika, stehen auf den Weinverpackungen häufiger Empfehlungen für eine Kombination mit Käse. Beinahe die Hälfte der neuen Bierprodukte, die eine Kombination mit Käse empfehlen, stammen hingegen aus drei Ländern: Brasilien (21 %), den USA (14 %) und Italien (13 %).

Cheese beers

Die brasilianische Biermarke Baden Baden wirbt zum Beipsiel mit Speiseempfehlungen auf ihren Flaschen, so sind auf der Rückenetikett Teller mit herzhaftem und süßem Essen abgebildet. Zum Anlass ihres 15. Jubiläums im Jahr 2014 führte die Marke Baden Baden zudem eine Werbekampagne durch, die neben anderen Aktivitäten den ersten Bier-Truck in Brasilien mit dem Namen „Experiência Baden Baden“ (Baden Baden erfahren) einführte. In dem Truck luden Biersommeliere Verbraucher dazu ein, verschiedene Sorten der Marke auszuprobieren und gaben ihnen Tipps zu möglichen Kombinationen mit Speisen. Zusätzlich konnten Verbraucher auf der Website der Marke auswählen, welche Biere oder Speisen – einschließlich Käsesorten wie Mozzarella und Gorgonzola – sie kombinieren möchten.

VERBRAUCHER SUCHEN RAT ZU SPEISEEMPFEHLUNGEN

Die „Revolution“ der Craft-Biere der vergangenen Jahre hat dazu beigetragen, das Bier zu einem luxuriöseren Produkt wurde. Empfehlungen, das Getränk mit Gourmetspeisen zu kombinieren, stellen eine weitere Methode dar, Bier stärker im Premiumsegment zu positionieren. Speiseempfehlungen können auch dabei helfen, Verbraucher zu informieren, wie sie den edlen Geschmack von Craft-Bier am besten zur Geltung bringen. Solche Empfehlungen können auch den Verbrauch bei Mahlzeiten steigern. In Brasilien zum Beispiel wird Bier sehr selten zu Mahlzeiten getrunken, sowohl zu Hause als auch draußen.

Verbraucher haben tatsächlich Interesse an Empfehlungen zur Kombination von Speisen mit Getränken. In Italien zum Beispiel würden 57 % der Biertrinker gerne Informationen dazu erhalten, wie sie Bier mit verschiedenen Speisen kombinieren könnten. Ältere Angehörige der Generation Y zwischen 25 und 34 Jahren haben das größte Interesse an Informationen zur Kombination von Bier mit Speisen. Speiseempfehlungen fördern ebenfalls den Konsum in der Gastronomie („on-trade“). In den USA würde beinahe die Hälfte der Verbraucher, die außerhalb ihres Zuhauses alkoholische Getränke konsumieren, Vorschläge für die Kombination von Speisen mit Alkohol, darunter Bier, begrüßen.

KÄSE MIT BIERFAHNE

Käsehersteller können von den Bemühungen der Craft-Bier-Brauer, Angehörige der Generation Y für sich zu gewinnen, profitieren. In Neuseeland hat sich Whitestone Cheese mit Scotts Brewing zusammengetan, um einen „Bierkäse“ auf den Markt zu bringen. Der Käse wurde für den Genuss mit einem Glas Bier konzipiert. Sein hopfiges Aroma zerstreut sich nach einiger Zeit. In den USA hat die Brewing Victory Company ein Sortiment an „handgefertigten“ Streichkäse entwickelt, dem die Biere HopDevil IPA, Headwaters Pale Ale oder Golden Monkey Belgian-style Tripel, allesamt „eingeflößt“ wurden.

Caroline Roux ist Research Manager im Breich Food & Drink bei Mintel. Sie leitet das in London ansässige Team für weltweite Analysen im Bereich Nahrungsmittel und Getränke und fungiert zudem als Expertin im Bereich Milchprodukte. Sie bietet zuverlässige Einblicke und realistische Empfehlungen für Molkereiunternehmen. Dabei verfolgt sie weltweite Innovationen und Verbrauchertrends, um Kunden bei ihren Wachstumsstrategien zu unterstützen.

 

 

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